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Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Gründungsprojekt über das Tor zum Herzen

Gründungsprojekt über das Tor zum Herzen
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Gründungsprojekt über das Tor zum Herzen

Herzoperationen sicherer, schneller und günstiger machen – das ist das Ziel des Freiburger Gründungsteams von HeartGate, das aus Forschenden der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg hervorgegangen ist. Inzwischen gilt ihr Vorhaben als mit Millionen gefördertes Vorzeigeprojekt, doch der Weg dorthin war nicht einfach.

„Wenn das Herz zu schwach ist, um den Körper ausreichend mit Blut zu versorgen, ist eine Herztransplantation häufig die letzte Therapieoption. Da es aber zu wenige Menschen gibt, die Organe spenden, werden alternativ mechanische Herzpumpen eingesetzt“, sagt Manuela Schön. Die Ingenieurin für Medizintechnik sitzt vor einem anatomischen Herzmodell aus Kunststoff und hält eine Herzpumpe aus Titan an dessen Spitze.

Die Pumpe, etwas größer als ein Golfball, liegt mit 200 Gramm schwerer in der Hand als erwartet. Ein hohler Zylinder mit etwa 2 cm Durchmesser, Inflow genannt, ragt aus ihr heraus. Er ermöglicht die Blutzufuhr zur Pumpe. „Um den Inflow in die Herzkammer einzusetzen, muss ein Loch in die Herzwand gestanzt werden“, erklärt Schön. „Wenn man das an einem schlagenden, blutgefüllten Herzen machen würde, bestünde das Risiko einer lebensgefährlichen Blutung.“

Herzpumpen werden daher mithilfe einer Herz-Lungen-Maschine eingesetzt, die den Blutfluss während der Operation um das Herz herumleitet. „Aber auch das birgt Risiken für die Patientinnen und Patienten. Das ist eine große, langwierige Operation, die mit hohen Kosten einhergeht“, so Schön. Deshalb entwickelt sie zusammen mit dem Mediziner Dr. Florian Meißner und ihrem gemeinsamen Team ein Verfahren, mit dem Herzpumpen künftig ohne Herz-Lungen-Maschine implantiert werden sollen. HeartGate heißt das Projekt – Tor zum Herzen.

Ein ungeplanter Ausflug nach Hinterzarten, der alles verändert

Die Idee entsteht 2023 bei einem abgebrochenen Teamausflug zu einem Kooperationspartner in Stuttgart. Dieser muss den Termin spontan absagen, da sitzt die Gruppe schon im Auto. Statt zum geplanten Ziel zu fahren, machen sie Halt in Hinterzarten. „Wir saßen dann in einem Café zusammen und haben uns, wie so oft, über die Arbeit unterhalten. Da kam die Idee auf: Wir würden Herzpumpen am liebsten ohne Herz-Lungen-Maschinen implantieren – wie könnte man das technisch umsetzen?“, so Schön.

Der ungeplante Ausflug nach Hinterzarten fällt in eine Zeit, in der dem Team eigentlich nicht nach gemütlichem Kaffeetrinken zumute ist. Bisher arbeitet es innerhalb des Projekts YCOR an einem Adapter für Herzpumpen, gerade wurde jedoch ein Antrag auf eine EXIST-Förderung vom Bund abgelehnt. Die Drittmittelfinanzierung für das Team läuft aus, und die Forschenden stehen vor einer schwierigen Entscheidung: An der bisherigen Idee festhalten oder ein neues Projekt angehen? In dieser herausfordernden Lage kommt ihnen die Idee zu HeartGate.

Aus dem Gedankenspiel wird schnell mehr. Das Team entwickelt erste Skizzen, baut Modelle, testet Prototypen und reicht beim Transferbüro der Universität zwei Erfindungsmeldungen ein, die 2024 als Patente angemeldet werden.

Doch auch für dieses Projekt braucht es Gelder. Und auch bei diesem Projekt wird nach der Patentanmeldung ein Antrag auf eine EXIST-Bundesförderung zunächst abgelehnt. „Das war keine einfache Zeit. Wieder lief unsere Finanzierung aus, und wir wussten nicht, wie es weitergeht“, erinnert sich Meißner.

Während dieser Phase der Unsicherheit, im März 2025, steht er bei der Innovation Night in Rottweil zum ersten Mal auf einer Bühne, um sein Projekt zu pitchen – und gewinnt den Publikumspreis. „Der Pitch war ein erster Erfolg. Da war klar: Okay, es gibt Leute, die finden toll, was wir machen, und glauben an unser Projekt“, erzählt Meißner.

Im selben Monat erhält das Team eine weitere gute Nachricht: Schön bekommt eine Stipendienzusag für das Programm Startup|Women, mit dem die Universität Freiburg Frauen mit Gründungsideen fördert und ein Jahr lang begleitet. „Ich habe vor allem von dem breiten Netzwerk profitiert, das mir durch das Programm geboten wurde“, so Schön. Sie bekommt eine persönliche Mentorin, eine Mitarbeiterin der Freiburger Innovationsplattform BadenCampus, mit der das Gründungsbüro der Universität Freiburg eng zusammenarbeitet. „Die Verbindung der Universität zum BadenCampus hat uns bei Gründungsthemen weitergeholfen. So hatten wir Zugang zu Themen wie Finanzierung und Marketing, mit denen wir uns als Wissenschaftler damals noch nicht so gut auskannten“, so Schön.

Diese ersten Erfolge motivieren für einen wichtigen Termin in Berlin: Das Team ist eingeladen, sein Forschungsprojekt vor einer Jury von GO-Bio next vorzustellen, einem Förderprogramm des Bundesforschungsministeriums für Gründungsvorhaben in den Lebenswissenschaften. Das Gründungsbüro der Universität Freiburg berät das Team bei der Vorbereitung des Pitchs. „Wir haben vom Gründungsbüro sehr konstruktives Feedback zu unserem Pitch-Deck erhalten, das super hilfreich war“, so Meißner.

Ein Pitch in Berlin, der zum Durchbruch führt

Der Pitch in Berlin führt zum Durchbruch: HeartGate erhält eine Förderzusage in Höhe von 4,35 Millionen Euro. Heute arbeitet das Team daran, aus ihrer Idee ein marktfähiges Medizinprodukt zu entwickeln. Meißner und Schön geben alles dafür, dass das klappt. Sie pitchen weiter und gewinnen einen Preis nach dem anderen – darunter den ersten Platz beim Venture Cup von Science4Life, dem bundesweit größten Businessplan-Wettbewerb im Bereich der Lebenswissenschaften. Nach der Arbeit im Labor bilden sie sich an der Hochschule Furtwangen in berufsbegleitenden Masterstudiengängen in den Bereichen „Medical Devices & Healthcare Management“ und „Regulatory Affairs“ weiter.

Was die beiden antreibt? Der Spaß in ihrem Team, dass sie ständig dazulernen und auch die Leute, die sie ohne das Projekt nie kennengelernt hätten: neben inspirierenden Gründer*innen mit spannenden Unternehmensgeschichten auch politische Entscheidungsträger*innen wie Martin Horn, Cem Özdemir und Dorothee Bär. Vor allem aber der potenzielle Nutzen für die Patient*innen: „Es gibt die Chance, dass HeartGate das bisherige OP-Verfahren sicherer und schneller machen wird“, sagt Meißner. „Wenn man es nicht probiert, wird man es nicht herausfinden. Wir glauben an unsere Idee.“

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