75 Jahre DRK-Blutspendedienst West: Pionier der flächendeckenden Blutversorgung in Deutschland
Als der DRK-Blutspendedienst West (damals noch DRK-Blutspendedienst NRW) vor 75 Jahren seine Arbeit aufnahm, stand Deutschland vor einem medizinischen und gesellschaftlichen Neuanfang. In den Nachkriegsjahren fehlte es an funktionierenden Versorgungsstrukturen, Material und Organisation – Blutkonserven waren vielerorts kaum verfügbar. Der Aufbau eines organisierten Blutspendedienstes markierte deshalb einen Wendepunkt für das Gesundheitswesen in Deutschland.
Als der DRK-Blutspendedienst West (damals noch DRK-Blutspendedienst NRW) vor 75 Jahren seine Arbeit aufnahm, stand Deutschland vor einem medizinischen und gesellschaftlichen Neuanfang. In den Nachkriegsjahren fehlte es an funktionierenden Versorgungsstrukturen, Material und Organisation – Blutkonserven waren vielerorts kaum verfügbar. Der Aufbau eines organisierten Blutspendedienstes markierte deshalb einen Wendepunkt für das Gesundheitswesen in Deutschland.
Grundlage war der staatliche Versorgungsauftrag des Landes Nordrhein-Westfalen: Mit Vertrag vom 28. Februar 1951 verpflichteten sich die DRK-Landesverbände Nordrhein und Westfalen-Lippe gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen, eine Blutspendezentrale aufzubauen und dauerhaft zu betreiben. Damit übernahm das Deutsche Rote Kreuz in Nordrhein-Westfalen früh eine zentrale gesellschaftliche Verantwortung für die medizinische Daseinsvorsorge. Die beiden Landesverbände schufen nicht nur organisatorische Strukturen, sondern etablierten ein dauerhaft tragfähiges System freiwilliger, unentgeltlicher Blutspenden – getragen von ehrenamtlichem Engagement und regionaler Verankerung.
Der daraus hervorgegangene Blutspendedienst war der erste in Deutschland, der systematisch eine organisierte, flächendeckende Versorgung mit Blutpräparaten aufbaute. Das in Nordrhein-Westfalen entwickelte Modell wurde später bundesweit richtungsweisend und prägt bis heute die Strukturen der Blutversorgung in Deutschland.
„Die Blutspende war von Beginn an ein Versprechen: Niemand soll aus Mangel an Blut leiden oder sterben müssen“, sagt Priv.-Doz. Dr. Lambros Kordelas, Ärztlicher Geschäftsführer des DRK-Blutspendedienstes West. „Dieses Versprechen gilt bis heute – und es ist aktueller denn je.“
Fortschritt, Verantwortung und Bewährungsproben
Was in den frühen Jahren häufig noch von Improvisation geprägt war, entwickelte sich parallel zum medizinischen Fortschritt zu einer hochspezialisierten Infrastruktur. Heute sind Blutpräparate unverzichtbar für Krebstherapien, komplexe Operationen, Organtransplantationen, die Versorgung schwerverletzter Unfallopfer sowie die Behandlung von Früh- und Neugeborenen.
„Wir können heute Krankheiten behandeln, die vor 75 Jahren ein Todesurteil waren“, so Kordelas. „Doch viele dieser Therapien funktionieren nur, weil Blutkomponenten Patientinnen und Patienten stabilisieren und begleiten können. Blutspenden sind keine Vergangenheit der Medizin, sondern eine Voraussetzung ihrer Leistungsfähigkeit.“
Die Geschichte der Blutspende war zugleich immer auch eine Geschichte großer Herausforderungen. Die HIV-Infektionen durch Blutprodukte in den 1980er-Jahren markierten einen tiefen Einschnitt für die Transfusionsmedizin. Die DRK-Blutspendedienste übernahmen bundesweit eine zentrale Rolle bei der Einführung verschärfter Sicherheitsstandards, neuer Testverfahren und verbindlicher Qualitätsrichtlinien.
Der DRK-Blutspendedienst West gehörte zu den treibenden Kräften bei der Implementierung der PCR-Testung in der Blutspende und leistete damit einen wesentlichen Beitrag zur heute erreichten hohen Sicherheit von Blutprodukten in Deutschland. Auch während der Corona-
Pandemie gelang es trotz kurzfristiger Terminabsagen, organisatorischer Einschränkungen und großer Verunsicherung, die Versorgung der Kliniken stabil aufrechtzuerhalten.
Diese Erfahrungen prägen die Arbeit bis heute: Sicherheit, Qualität und Krisenfestigkeit stehen im Zentrum des Handelns.
Demografischer Wandel gefährdet die Basis der Versorgung
Gleichzeitig wächst der Druck auf das System. Mit einer älter werdenden Gesellschaft steigt der Bedarf an Blutpräparaten, während die Zahl aktiver Spenderinnen und Spender sinkt.
„Jede Generation braucht ihre eigenen Blutspenderinnen und Blutspender“, betont Dr. Holger Praßel, Kaufmännischer Geschäftsführer des DRK-Blutspendedienstes West. „Die Generation der Babyboomer, die die Versorgung jahrzehntelang getragen hat, scheidet zunehmend aus. Jüngere Menschen haben heute mehr Optionen und konkurrierende Engagementmöglichkeiten. Das spüren wir konkret – bis hin zu Phasen, in denen die Versorgung der Kliniken zeitweise unter Druck gerät.“
Innovationen für eine stabile Zukunft
Der DRK-Blutspendedienst West reagiert auf die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen mit gezielten Innovationen in Organisation, Infrastruktur und Technologie. Ziel ist es, die Blutspende langfristig zuverlässig sicherzustellen und zugleich möglichst niedrigschwellig zu gestalten.
Dazu zählen neue Formate wie Pop-Up-Blutspenden in urbanen Zentren oder stark frequentierten Einrichtungen, die neue Zielgruppen erschließen und Blutspende stärker in den Alltag integrieren. Parallel investiert der Blutspendedienst in moderne mobile Spendeeinheiten („Blumos“), die flexiblere Einsätze und effizientere Abläufe ermöglichen und damit die flächendeckende Präsenz sichern.
Ehrenamt als Fundament seit 75 Jahren – getragen vom DRK vor Ort
Unverändert geblieben ist die zentrale Rolle des Ehrenamts – und damit die besondere Stärke des Deutschen Roten Kreuzes in Nordrhein-Westfalen. Tausende Helferinnen und Helfer in DRK-Ortsvereinen und Kreisverbänden organisieren Blutspendetermine, sprechen Menschen persönlich an und schaffen Vertrauen in ihren Gemeinden.
Gerade diese enge Verbindung aus professioneller medizinischer Infrastruktur und ehrenamtlicher Verwurzelung vor Ort machte den Aufbau der Blutversorgung überhaupt erst möglich. Die DRK-Strukturen in Nordrhein und Westfalen-Lippe sorgten bereits in den Anfangsjahren dafür, dass Blutspende nicht nur ein medizinischer Prozess, sondern eine gesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe wurde.
„Ohne das Ehrenamt gäbe es keine flächendeckende Blutversorgung“, sagt Praßel. „Die persönliche Ansprache, die Verlässlichkeit vor Ort und die Verwurzelung in den Kommunen sind bis heute ein entscheidender Erfolgsfaktor.“
Zur Stärkung dieses Engagements hat der Blutspendedienst ein eigenes Ehrenamtsportal eingeführt, das Organisation, Austausch und Qualifizierung digital unterstützt und damit die traditionelle Stärke des DRK mit modernen Arbeitsweisen verbindet.
Jubiläum als Bilanz und Auftrag
Zum 75. Jubiläum zieht der DRK-Blutspendedienst West eine bewusst nach vorn gerichtete Bilanz.
„Wir arbeiten auf Basis von 75 Jahren Erfahrung, Verantwortung und Vertrauen“, sagt Kordelas. „Die medizinische Zukunft ist gesichert – sofern es uns gelingt, das Engagement der Menschen mit der medizinischen Entwicklung im Einklang zu halten. Blutspende bleibt eine Gemeinschaftsaufgabe.“
Über den DRK-Blutspendedienst West
Der DRK-Blutspendedienst West ist verantwortlich für die Versorgung der Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland mit lebenswichtigen Blutpräparaten. Hervorgegangen aus dem Versorgungsauftrag an die DRK-Landesverbände Nordrhein und Westfalen-Lippe im Jahr 1951, baute er als erster Blutspendedienst Deutschlands eine organisierte, flächendeckende Blutversorgung auf und prägt bis heute die Strukturen der Blutspende in Deutschland. Rund 1.200 Mitarbeitende sorgen gemeinsam mit tausenden ehrenamtlich Engagierten dafür, dass jährlich mehrere tausend Blutspendetermine durchgeführt und Kliniken zuverlässig versorgt werden. Informationen rund um die Blutspende beim DRK-Blutspendedienst finden Interessierte unter www.blutspendedienst-west.de
Mit freundlichen Grüßen
Stephan David Küpper
Mobil. 0151-61332459
E-Mail. presse@bsdwest.de









