Zero HIV Stigma Day: Medizinische Erfolge allein beenden kein Stigma
München (ots)
- Allem medizinischen Fortschritt zum Trotz bleibt die gesellschaftliche Stigmatisierung für Menschen mit HIV eine große Belastung.
- Diskriminierung im Alltag, am Arbeitsplatz und im Gesundheitswesen ist für viele Menschen mit HIV Realität und führt zu psychischem Druck.
- Eine Aktion von ViiV Healthcare stellt konkrete Vorschläge aus dem Gesundheitsbereich, der Politik und der Community dar, um Stigmatisierung im Alltag zu überwinden.
Die Medizin hat in den vergangenen Jahrzehnten bahnbrechende Erfolge in der HIV-Therapie erzielt. Menschen mit HIV können heute bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung ein langes und weitgehend normales Leben führen. Die gesellschaftlichen Realitäten sehen indes anders aus: Stigmatisierung und Vorurteile belasten den Alltag von Menschen mit HIV oft mehr als die Infektion selbst [1]. Anlässlich des Zero HIV Stigma Day am 21. Juli macht ViiV Healthcare darauf aufmerksam, dass es eine gemeinsame Aufgabe für uns alle ist, soziale Hürden endlich zu überwinden. "Ein Virus lässt sich medizinisch behandeln - Vorurteile müssen wir überwinden", sagt Mick Stanley, Geschäftsführer von ViiV Healthcare Deutschland. "Bei ViiV geht unsere Aufgabe weit über die Medizin hinaus. Null Stigmatisierung ist das einzige akzeptable Ziel - und es ist ein realistisches Ziel, wenn wir Vorurteile in unserem Alltag aktiv hinterfragen." Um Haltung im Alltag sichtbar zu machen, hat das Unternehmen eine Aktion initiiert: An einem "Aktionsbaum" werden Botschaften und Strategien von Mitarbeitenden, Politik und Community-Vertreter*innen dargestellt, die aufzeigen, wie wir gemeinsam Stigmatisierung im Alltag überwinden können.
Die Realität in Zahlen: Diskriminierung bleibt Alltag für viele Menschen mit HIV
"Wer unter erfolgreicher HIV-Therapie lebt und keine nachweisbare Viruslast hat, überträgt HIV nicht", klärt Dr. Tobias Oliveira Weismantel, Geschäftsführender Vorstand der Münchner Aids-Hilfe e.V. auf. "Dieses Wissen gehört in die Mitte der Gesellschaft - denn nur so überwinden wir HIV-Stigma nachhaltig."* Denn Diskriminierungserfahrungen sind keine Seltenheit, wie ein Forschungsbericht [2] zeigt. Für jeden Zweiten beeinträchtigen Vorurteile das Leben stark. Besonders im Gesundheitswesen, einem Bereich, in dem Vertrauen essenziell ist, sind die Erfahrungen alarmierend. Sechs von zehn Menschen mit HIV berichten von Diskriminierung durch medizinisches Personal. Auch im Arbeitsleben herrscht Unsicherheit: 44 Prozent sprechen aus Angst vor Nachteilen nicht offen über ihre Infektion.
Die Folgen der Stigmatisierung sind gravierend: Das Gefühl von Scham und die Angst vor Zurückweisung führen zu einer enormen psychischen Belastung und lassen Menschen davor zurückschrecken, zum Arzt zu gehen. Jeder Vierte schämt sich für die eigene HIV-Infektion, so die schlichten Zahlen. Dahinter verbirgt sich gesellschaftlicher Druck. "Ein Mensch ist ein Mensch. Mit HIV, ohne HIV", bekräftigt Anne von Fallois, Geschäftsführende Vorstandsvorsitzende der Deutschen AIDS-Stiftung. "Stellen wir uns konsequent an die Seite derer, die mit HIV leben."
Serdar Yüksel, Mitglied des Deutschen Bundestages, sieht auch die Politik in einer besonderen Verantwortung und er unterstützt die Aktion. Yüksel betont: "HIV ist keine Frage von Schuld oder Lebensweise, sondern eine chronische Erkrankung, der wir mit Respekt, Wissen und Solidarität begegnen müssen. Stigmatisierung hält Menschen davon ab, sich testen zu lassen, Behandlung in Anspruch zu nehmen oder offen über ihre Erkrankung zu sprechen. Als Gesundheitspolitiker setze ich mich dafür ein, Barrieren abzubauen, Aufklärung zu stärken und eine Gesellschaft zu fördern, in der Menschen mit HIV selbstverständlich dazugehören - ohne Angst vor Benachteiligung. Null Stigmatisierung ist ein Ziel, das wir nur gemeinsam erreichen können."
Zentrale Erkenntnisse gegen Stigmatisierung der Aktion zum Zero HIV Stigma Day
Die zentralen Erkenntnisse und Vorschläge der Aktion zum Zero HIV Stigma Day lassen sich in drei Kernpunkten zusammenfassen:
- Zuhören und Erfahrungen ernst nehmen: Stigmatisierung abzubauen bedeutet, den Menschen mit HIV genau zuzuhören und ihre Erfahrungen als Ausgangspunkt für den gesellschaftlichen Diskurs zu nehmen.
- Wissen aktiv teilen: Faktenbasierte Aufklärung, zum Beispiel über die Nichtübertragbarkeit von HIV unter erfolgreicher HIV-Therapie, ist das wirksamste Mittel gegen unbegründete Ängste.
- Haltung im Alltag zeigen: Der Abbau von Vorurteilen beginnt bei jedem Einzelnen, indem man diskriminierenden Äußerungen im eigenen Umfeld aktiv widerspricht.
Die Vielfalt der Perspektiven spiegelte sich auch in den zahlreichen persönlichen Botschaften am Aktionsbaum wider. Hier eine Auswahl:
- "Ein offener Umgang und Aufklärung schaffen Wissen und Verständnis und baut damit Vorurteile ab!"
- "Wissen schützt, Therapie verhindert Übertragung. Stoppt das HIV-Stigma!"
- "Wir brauchen mehr Wissen, Fakten, Aufklärung! Dafür setze ich mich ein."
- "Ich schaue nicht weg!"
Auszüge aus den Ergebnissen des Forschungsberichts "positive Stimmen 2.0" der Deutschen Aidshilfe e. V.
- Ein Großteil der Menschen mit HIV fühlt sich durch HIV-bezogene Vorurteile beeinträchtigt: 1 von 2 (52 %) der Befragten gab an, dass Vorurteile gegenüber HIV ihr Leben beeinträchtigen.
- Die Stigmatisierung von HIV ist ein Haupthindernis für die HIV-Prävention, da sie die Testbereitschaft beeinflusst und dazu führt, dass ca. 1/3 der HIV-Infektionen in Deutschland spät diagnostiziert werden.
- 73 % der Online-Befragten gaben an, dass in vielen Bereichen ihres Lebens niemand von ihrer HIV-Infektion weiß.
- 44 % der Online-Befragten geben an, im Arbeitsleben nie offen über ihre HIV-Infektion zu sprechen. Nur 6 % sprechen immer offen darüber.
- 6 von 10 (56 %) der Online-Befragten hatten in den letzten 12 Monaten mindestens eine negative Erfahrung im Gesundheitswesen aufgrund ihres HIV-Status.
- 52 % der Peer-to-Peer-Befragten sind sich unsicher, ob ihre Patientenakten vertraulich behandelt werden, und 8 % sind sich sicher, dass dies nicht der Fall ist.
*Hintergrundinformation Nachweisgrenze: Wenn Menschen mit HIV eine HIV-Therapie erhalten und dadurch erfolgreich "unter der Nachweisgrenze (HIV-1-RNA<50c/ml)" sind, können Sie das Virus nicht mehr übertragen. In diesem Zusammenhang begegnet man häufig der Abkürzung n=n ("nicht nachweisbar = nicht übertragbar") - oder Englisch U=U ("Undetectable = Untransmittable). Mehr dazu: https://ots.de/fKEHv1
Über ViiV Healthcare
ViiV Healthcare ist ein globales, auf HIV spezialisiertes Unternehmen, das im November 2009 von GSK (LSE: GSK) und Pfizer (NYSE: PFE) gegründet wurde, um Fortschritte bei der Behandlung und Versorgung von Menschen, die mit HIV leben oder bei denen das Risiko einer HIV-Infektion besteht, zu erzielen. Seit Oktober 2012 ist Shionogi Anteilseigner von ViiV. Ziel des Unternehmens ist es, sich intensiver und umfassender mit HIV und AIDS zu befassen als jedes andere Unternehmen zuvor. ViiV Healthcare verfolgt dabei einen neuen Ansatz, um wirksame und innovative Medikamente für die HIV-Therapie und -Prävention bereitzustellen und die von HIV betroffenen Communities zu unterstützen. Weitere Informationen unter: http://www.viivhealthcare.com/de-de
Über GSK
GSK ist ein globales Biopharma-Unternehmen, das Wissenschaft, Technologie und Talent vereint, um Krankheiten gemeinsam voraus zu sein. Weitere Informationen unter: http://www.gsk.com/
[1] Deutsche Aidshilfe e. V. (Hrsg.): positive Stimmen 2.0. Mit HIV leben, Diskriminierung abbauen. Ergebnisse eines partizipativen Forschungsprojekts zum Leben mit HIV in Deutschland, Berlin 2021.
[2] Deutsche Aidshilfe e. V. (Hrsg.): positive Stimmen 2.0. Mit HIV leben, Diskriminierung abbauen. Ergebnisse eines partizipativen Forschungsprojekts zum Leben mit HIV in Deutschland, Berlin 2021.
Pressekontakt:
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E-Mail: verena.x.coscia@viivhealthcare.com
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