Unterrichten mit und über Künstliche Intelligenz, PI Nr. 23/2026
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Unterrichten mit und über Künstliche Intelligenz
Künstliche Intelligenz in der Schule: Angehende Lehrpersonen werden künftig Kompetenzen im Umgang mit KI benötigen und diese im Unterricht lehren müssen. Das Zertifikatsprogramm KiKoN vermittelt den Lehrpersonen von morgen entsprechendes Wissen – und wird nun von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördert. Federführend beteiligt: die gemeinsame Brückenprofessur der Universität Konstanz und der Pädagogischen Hochschule Thurgau.
Künstliche Intelligenz (KI) ist bereits in vielen Bereichen des Alltags wie selbstverständlich integriert. Auch an den Schulen wird sie präsenter werden: Schüler*innen werden sich künftig mit KI auseinandersetzen und einen verantwortungsvollen Umgang mit der Technologie erlernen müssen. Die Lehrpersonen von morgen benötigen daher Kompetenzen im Umgang mit KI, um mit und über Künstliche Intelligenz unterrichten zu können. Um diese Kompetenzen zu vermitteln, haben Bildungsforscher*innen unter Federführung von Fachdidaktiker Johannes Huwer (Universität Konstanz und Pädagogische Hochschule Thurgau) ein Zertifikatsprogramm entwickelt: „Ki-Kompetenzen für die Naturwissenschaften“, kurz „KiKoN“. Die Stiftung Innovation in der Hochschullehre gab nun bekannt, KiKoN im Rahmen ihres Programms „Freiraum 2026“ mit rund 400.000 Euro zu fördern. Der Start des Lehrprojekts erfolgt am 1. April 2026.
„Die Auswirkungen der KI-Technologie sind derart einschneidend, dass sie mittlerweile als neue Basistechnologie aufgefasst werden kann. Der Umgang mit KI wird damit zur Schlüsselkompetenz. Eine Entwicklung und Förderung dieser Kompetenzen bei Jugendlichen liegt in der Verantwortung der schulischen Bildung“, schlussfolgert Johannes Huwer. „Dies bedingt allerdings entsprechend professionalisierte Lehrpersonen, welche über die notwendigen technologischen, didaktischen und pädagogischen Kompetenzen verfügen. Folgerichtig sind solche KI-bezogenen Kompetenzen in allen Phasen der Lehrpersonenbildung strukturell, nachhaltig und auch aufeinander abgestimmt zu integrieren.“ Mit dem neuen Zertifikatsprogramm KiKoN wird nun der 2024 entwickelte DiKoLAN-KI-Kompetenzrahmen in die erste Phase der Lehrpersonenbildung systematisch integriert.
Kompetenzvermittlung an die Lehrpersonen von morgen
Huwer und sein Team sehen einen schnellen Handlungsbedarf und legten mit KiKoN einen umfassenden Orientierungsrahmen für die Kompetenzvermittlung an angehende Lehrpersonen vor. Das Zertifikatsprogramm nimmt diejenigen in den Fokus, die künftig in den Naturwissenschaften unterrichten werden: Lehramtsstudierende. Auf lange Sicht soll das Programm aber auf alle Studierenden der Naturwissenschaften ausgeweitet werden.
Inhaltlich geht es bei KiKoN nicht nur um die Vermittlung von technologischen Kompetenzen und Anwendungswissen: „Der Bedarf an KI-Kompetenzen geht über das bloße Verständnis der Technologie hinaus. Dieses ist zwar wichtig, hilft aber keiner Lehrperson, guten Unterricht zu machen. Lehrpersonen müssen in der Lage sein, KI pädagogisch und didaktisch sinnvoll sowie verantwortungsbewusst im Klassenzimmer einzusetzen. Ein reflektierter Umgang muss neben den Chancen von KI somit also auch deren Risiken, ethische Aspekte sowie rechtliche Rahmenbedingungen berücksichtigen“, so Huwer.
„Zwar existieren hier bezüglich der entsprechenden Anforderungen in den naturwissenschaftlichen Fächern durchaus Überlappungsbereiche, im Detail müssen jedoch auch fachspezifische Aspekte berücksichtigt und integriert werden, insbesondere im Hinblick auf die Methoden und Strategien der KI-Nutzung in aktuellen Forschungsbereichen der jeweiligen Naturwissenschaften”, ergänzt Christoph Thyssen, Professor für Biologie und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg.
Pilotprogramm in Konstanz, Kreuzlingen und Freiburg
Das Pilotprogramm beginnt zunächst an der Universität Konstanz, der Pädagogischen Hochschule Thurgau und der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Hier werden die fächerübergreifenden Kompetenzen in neue Lehrveranstaltungen einfließen, sowohl zu grundlegenden Fragestellungen von Künstlicher Intelligenz, Maschinellem Lernen, Large-Language-Models und Learning Analytics als auch zu anwendungsorientieren Themen wie dem sinnvollen Einsatz von generativer KI im Unterricht. Auf lange Sicht soll das Zertifikatsprogramm KiKoN dann als Best Practice auf andere Hochschulen ausgeweitet werden.
Die Stiftung Innovation in der Hochschullehre
Die Stiftung Innovation in der Hochschullehre fördert die Erneuerungsfähigkeit der Lehre an Hochschulen. Sie setzt Impulse für systemische Veränderungen in Studium und Lehre, unterstützt die Hochschulen dabei und flankiert herausragende Projekte zur Weiterentwicklung der Hochschullehre. Im Programm „Freiraum“, in dessen Rahmen KiKoN gefördert wird, können innovative Ideen für die Lehre entwickelt und erprobt werden. Mit einem Fördervolumen von rund 46 Millionen Euro werden in diesem Jahr insgesamt 143 von über 9.000 eingereichten Projekten gefördert.
Faktenübersicht:
- Förderung des Zertifikatsprogramms KiKoN durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre im Rahmen ihres Programms „Freiraum 2026“.
- Fördersumme: rund 400.000 Euro
- Förderzeitraum: April 2026 bis März 2028
- Prof. Dr. Johannes Huwer ist Brückenprofessor für Fachdidaktik der Naturwissenschaften an der Universität Konstanz sowie der Pädagogischen Hochschule Thurgau.
- Prof. Dr. Christoph Thyssen ist Professor für Biologie und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg.
Kontakt: Universität Konstanz Kommunikation und Marketing E-Mail: kum@uni-konstanz.de
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