Alexandria am Tigris: vergessen und wiederentdeckt, PI Nr. 11/2026
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Alexandria am Tigris: vergessen und wiederentdeckt
In der Antike war Alexandria am Tigris eine blühende Handelsmetropole in Vorderasien. Knapp 2000 Jahre später ist von der Stadt nur mehr eine Umwallung zu sehen. Ein Forscherteam, dem der Archäologe Stefan Hauser von der Uni Konstanz angehört, verortete die Stadt neu und rekonstruierte ihre Funktion in der antiken Welt.
Welche Bedeutung hatte das antike Alexandria am Tigris? Wie war es aufgebaut? Und weshalb ist es in Vergessenheit geraten? Seit 2016 widmen Stefan Hauser, Professor für Mediterrane und Vorderasiatische Archäologie an der Universität Konstanz, und seine britischen Kolleg*innen Jane Moon, Robert Killick und Stuart Campbell sich diesen Fragen. Mit Hilfe von modernen Verfahren der Geophysik, tausenden Drohnenaufnahmen und viel Fleißarbeit zu Fuß erkannten die Wissenschaftler*innen: Alexandria am Tigris war eine riesige Großstadt!
„Uns wurde nun klar, dass wir hier wirklich das Äquivalent haben zu Alexandria am Nil, der berühmten Stadt in Ägypten. Die Situation ist eigentlich dieselbe: Man gründet dort eine Stadt, wo das offene Meer und die Flusssysteme, also die weiteren Transportsysteme ins Inland, aufeinanderstoßen“, erklärt Hauser. „Alexandria am Tigris muss seine Funktion als einer der zentralen Knotenpunkte antiken Fernhandels über 550 Jahre perfekt erfüllt haben.“
Details über den Aufbau der antiken Stadt, ihren Aufstieg und vermutliche Gründe ihres Niedergangs lesen Sie in dem Hintergrundartikel „ Das vergessene Alexandria “ im Digitalmagazin der Universität Konstanz. So viel sei schon verraten: Der Untergang der Stadt hing wohl mit geologischen Veränderungen ihrer Umwelt zusammen.
Warum sich Archäolog*innen erst in jüngster Zeit mit Alexandria am Tigris befassen, hat indes andere Gründe. „Abgesehen davon, dass die Blütezeit dieses Alexandrias in eine Periode fiel, die in der historisch-archäologischen Forschung lange vernachlässigt wurde, war die Lage des Ortes, der modern Jebel Khayyaber heißt, für die Erforschung sehr unglücklich“, legt Hauser dar. „Er befindet sich nur fünfzehn Kilometer von der iranischen Grenze entfernt. Die Gegend war im Ersten Golfkrieg, in den 1980er-Jahren, zwischen Iran und Irak ein Hauptkampfgebiet. In der Ruine entstand ein Militärlager.“ Als der Archäologe zum ersten Mal mit seinen Kolleg*innen in die Gegend kam, hatte die islamistische Terrororganisation, die sich selbst „Islamischer Staat“ nannte, noch große Teile des Nordiraks und Syriens unter Kontrolle, sodass man vor Ort nur unter größten Sicherheitsvorkehrungen forschen konnte.
Hinweis an die Redaktionen:
Ein Foto kann im Folgenden heruntergeladen werden:
Bildunterschrift: Säulen des Peristylhofs des Palastes in Alexandria am Tigris
Copyright: Charax Spasinou Project 2022 (Robert Killick, 2018)
Kontakt: Universität Konstanz Kommunikation und Marketing E-Mail: kum@uni-konstanz.de
- uni.kn