WM-Studie 2026: Deutsche glauben nur eingeschränkt an Titelgewinn
PRESSEMITTEILUNG DER UNIVERSITÄT HOHENHEIM
WM-Studie 2026:
Deutsche glauben nur eingeschränkt an Titelgewinn
Repräsentative Umfrage der Uni Hohenheim zu WM-Erwartungen, Vermarktung, Medienverhalten & sozialen Aspekten / Teil 1 von 4: Neues Format, neue Dynamik?
Viele Deutsche sehen ihre Nationalelf zwar als Favoriten für den FIFA-Fußball-WM-Titel 2026. Gleichzeitig bleiben die Erwartungen an das Abschneiden verhalten: Konkret rechnet nur rund jede:r Fünfte mit dem Titelgewinn, mehr als die Hälfte der Befragten geht hingegen von einem Ausscheiden spätestens im Viertelfinale aus. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle WM-Studie des Marketing-Experten Prof. Dr. Markus Voeth von der Universität Hohenheim in Stuttgart. Die Studie basiert auf einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage unter 1.000 Personen in Deutschland zu den Themen sportliche Erwartungen, Sponsoring und Sport-Vermarktung, Medienwirksamkeit sowie Politik. Bei der aktuellen Umfrage handelt es sich um die siebte WM-Studie seit 2002. Die Universität Hohenheim veröffentlicht die Ergebnisse in vier Teilen.
Die Erwartungen der Deutschen an die diesjährige FIFA-Fußball-WM der Männer fallen insgesamt verhalten aus. „Deutschland wird zwar im Vergleich am häufigsten als Weltmeister genannt, von einer breiten Titel-Euphorie kann man dennoch nicht sprechen“, so Studienleiter Prof. Voeth vom Lehrstuhl für Marketing & Business Development der Universität Hohenheim.
„Im Langzeitvergleich verliert die deutsche Nationalmannschaft langsam ihre einstige Sonderstellung als WM-Favorit bei den hiesigen Fans: Zwar bleibt die DFB-Elf im Favoritenranking weiterhin auf Rang 1, liegt jedoch deutlich unter den Werten der 2010er-Jahre. Spanien und Frankreich rücken mit 19 bzw. 18 Prozent als Titelanwärter enger heran“, fährt er fort. Titelverteidiger Argentinien gehört nach Auffassung der Deutschen mit 4,7 Prozent lediglich zum erweiterten Favoritenkreis.
Interesse an der WM erholt sich – große Euphorie bleibt jedoch aus
Co-Studienleiter Julius Schmid ergänzt: „Die Prognose zum Abschneiden der DFB-Elf zeigt ein differenzierteres Bild: 21,5 Prozent erwarten den Titelgewinn, 6 Prozent sehen Deutschland als Vizeweltmeister. Nur rund 27 Prozent der Befragten rechnen mit einem Finaleinzug, gleichzeitig erwartet mehr als die Hälfte der Befragten ein Ausscheiden der Nationalmannschaft im Viertelfinale oder sogar früher.“
„Es ist eine abflachende Titel-Euphorie zu beobachten“, fährt der wissenschaftliche Mitarbeiter am Lehrstuhl fort. „Die Deutschen trauen der Mannschaft zwar weiterhin viel zu, gleichzeitig wächst aber die Skepsis in Bezug auf einen ganz großen Turniererfolg.“
Ähnliches gilt für das Interesse an der WM an sich: „Unsere Studienergebnisse zeigen deutlich, dass sich das Interesse gegenüber 2022 zwar erholt hat, die frühere WM-Euphorie ist aber bislang nicht zurückgekehrt“, erklärt Voeth. „Dabei ist das allgemeine Interesse an Fußball und Sport über die Jahre hinweg bemerkenswert stabil.“
Mehr Fans wollen wieder möglichst viele Spiele verfolgen
Das gestiegene Interesse zeigt sich insbesondere darin, dass wieder deutlich mehr Menschen möglichst viele Spiele der WM verfolgen möchten, ohne sich ausschließlich auf die deutsche Nationalmannschaft zu konzentrieren. „Das liegt ganz sicher auch daran, dass die WM in diesem Jahr wieder im Sommer stattfindet und die Austragungsländer in der Öffentlichkeit weniger kritisch gesehen werden als 2022“, schlussfolgert Prof. Voeth.
Gleichzeitig wollen nur noch rund 16 Prozent der Befragten überhaupt keine Spiele anschauen. Bei der WM 2022 lag dieser Wert mit 27 Prozent noch deutlich höher. „Trotz dieser Entwicklung liegt das Interesse insgesamt weiterhin unter dem Niveau der WM 2018“, so Schmid.
Spieler: Florian Wirtz, Joshua Kimmich und Deniz Undav überzeugen
Florian Wirtz, Joshua Kimmich und Deniz Undav werden sowohl hinsichtlich Sympathie als auch Leistungsstärke am besten wahrgenommen. Während Florian Wirtz die höchsten Sympathiewerte erzielt, führt Joshua Kimmich das Ranking der leistungsstärksten Spieler an.
Als besonders sympathisch und zugleich leistungsstark gelten aus Sicht der Befragten außerdem Kai Havertz, Leon Goretzka und Jonathan Tah. Manuel Neuer war zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht für den Kader nominiert und wurde deshalb nicht erfasst.
Vertragsverlängerung von Julian Nagelsmann mehrheitlich begrüßt
Die vorzeitige Vertragsverlängerung von Bundestrainer Julian Nagelsmann bewertet eine relative Mehrheit der Deutschen positiv: 43 Prozent halten die Entscheidung für richtig, rund ein Viertel lehnt sie allerdings ab. Gleichzeitig gibt fast ein Drittel der Befragten an, keine klare Meinung zu diesem Thema zu haben.
Trotz aktueller Diskussionen wird Julian Nagelsmann insgesamt besser bewertet als sein Vorgänger Hansi Flick. Mit einem Durchschnittswert von 4,18 bleibt er auf einer sechsstufigen Skala allerdings unter seinem eigenen Vergleichswert von 4,46 aus der Erhebung zur Heim-EM 2024.
Neue WM-Struktur stößt auf Skepsis
Auch über den eigentlichen Fußball hinaus bleiben die Erwartungen der Befragten an das Turnier verhalten. Nur rund ein Viertel rechnet mit positiven Auswirkungen auf Tourismus und Wirtschaft. Eine nachhaltige Steigerung des Fußballinteresses in Nordamerika erwarten lediglich rund 20 Prozent.
Besonders kritisch bewerten viele das neue Turnierformat sowie die zusätzlichen Show-Elemente. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass viele Fans die zunehmende Eventisierung des Fußballs skeptisch betrachten“, so Julius Schmid.
HINTERGRUND: WM-Studie 2026
Die WM-Studie 2026 ist eine bevölkerungsrepräsentative Online-Umfrage in Bezug auf Alter, Geschlecht und Bundeslandzugehörigkeit unter 1.000 Teilnehmer:innen. Durchgeführt wurde sie zwischen dem 24. April und dem 10. Mai 2026 vom Lehrstuhl für Marketing und Business Development der Universität Hohenheim.
Der Lehrstuhl von Prof. Dr. Markus Voeth begleitet die FIFA-Fußballweltmeisterschaften seit 2001 mit regelmäßigen repräsentativen Bevölkerungsbefragungen. Schwerpunkte der Befragungen sind Themen wie Begeisterung, Pläne und Fanverhalten der Bevölkerung, ergänzt durch wechselnde Sonderschwerpunkte wie beispielsweise politische Themen rund um die sportlichen Großereignisse. Einzel- und Langzeitstudien sollen einerseits Stimmungsindikator, andererseits auch konstruktiver Beitrag für eine erfolgreiche Organisation sein.
Kontakt für Medien
Prof. Dr. Markus Voeth, Universität Hohenheim, Fachgebiet Betriebswirtschaftslehre, insb. Marketing & Business Development, +49 (0)711 459 22925, voeth@uni-hohenheim.de
M.Sc. Julius Schmid, Universität Hohenheim, Fachgebiet Betriebswirtschaftslehre, insb. Marketing & Business Development, +49 (0)711 459 22927, julius.schmid@uni-hohenheim.de">julius.schmid@uni-hohenheim.de
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Text: Stuhlemmer
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