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Schwäbische Zeitung: Gabriel kennt die Regeln - Leitartikel zu Gabriel

Ravensburg (ots) - Die SPD ist in jüngster Zeit nicht wirklich mit Führungspersonal gesegnet, das in der Bevölkerung hohes Ansehen genießt. Außenminister Sigmar Gabriel ist eine Ausnahme und ausgerechnet er fällt jetzt innerparteilicher Ranküne zum Opfer. Ersetzt wird er wohl durch Heiko Maas, den bisherigen Justizminister, der zuletzt beim Netzwerkdurchsuchungsgesetz nicht die beste Figur abgab.

Der SPD könne eben nicht mehr geholfen werden. So eine der ersten Reaktionen auf die Meldung. So eindeutig ist es aber nicht. Zwar ist Sigmar Gabriel ein wirklicher "Homo politicus". Ein Mann also, der sich einmischt, eloquent auf die Menschen zugeht, der das politische Geschäft mal subtil, mal mit dem Holzhammer angeht und sich immer oder zumindest häufig seiner Wirkung in den Medien bewusst ist.

Doch bevor nun Gebinde auf den Sozialdemokraten geflochten werden, er sei ein brillanter Außenminister gewesen, den die Welt vermissen werde, eine Gegenrede: Gabriel war seit Beginn 2017 auf dem Posten des deutschen Oberdiplomaten. Diese dann doch überschaubare Zeit wird nicht in die Geschichtsbücher eingehen, auch wenn er offensichtlich einen beträchtlichen Anteil an der Freilassung des deutschen Journalisten Deniz Yücel aus türkischer Geiselhaft hatte. Grundlegend hat die deutsche Außenpolitik gegenüber der Türkei nicht überzeugt.

Ganz altruistisch war Gabriel aber nie unterwegs, seine eigenen Interessen hatte er in den vergangenen Jahren fest im Blick. Er hätte als SPD-Parteichef in den Bundestagswahlkampf als Kanzlerkandidat gehen können. Doch ihm war klar, dass er nur verlieren konnte. Deshalb wurde Martin Schulz aus dem Hut gezaubert. Gabriels fast legendäre Sprunghaftigkeit dürfte darüber hinaus den meisten nicht verborgen geblieben sein. Bei der künftigen Vorsitzenden Andrea Nahles hat der Niedersachse seinen Kredit verspielt. Machtpolitikerin trifft auf Machtpolitiker. Deshalb war für ihn kein Platz mehr im neuen Kabinett. Das gehört zum Spiel, dessen Regeln Gabriel gut kennt und jetzt akzeptieren muss.

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