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06.11.2012 – 21:15

Schwäbische Zeitung

Schwäbische Zeitung: Weltmächte wählen - Leitartikel

Leutkirch (ots)

Heute schauen viele von uns nach Amerika. Wer hat die Wahl gewonnen, Barack Obama, der Amtsinhaber, oder doch Mitt Romney, der Herausforderer? Aber ganz gleich, wer es denn nun wird, oder für welchen Kandidaten wir mehr Sympathie empfinden: Es wird sich für uns hier in Europa nicht besonders viel ändern.

Während wir aber noch interessiert nach Amerika schauen, wird in einer anderen Weltmacht, in der Volksrepublik China, ebenfalls gewählt. Ab morgen findet der Sonderparteitag der Kommunistischen Partei statt. Auf dem werden nicht nur alle Parteichefs über 68 Jahren pensioniert, sondern auch bis zu sieben Mitglieder einer neuen Führungsgeneration der KP installiert. Solch einen Wechsel gibt es höchstens alle zehn Jahre in China.

Viele Chinesen erwarten von den Neuen einen stärkeren Einsatz für soziale Gerechtigkeit, für den Umweltschutz und für demokratischere Verhältnisse im Land. Ob die Neuen diese Aufgaben annehmen und bereit sind, China zu reformieren, ist nicht nur bedeutsam für das Land, sondern auch für uns.

Natürlich ist vielen von uns der demokratische Wahlakt in Denver oder Seattle näher als das Getue auf dem Parteitag in Peking. Die meisten von uns begeistern sich eher für Amerika, für seine Rockmusik und Popkultur, für die Wirtschaftskraft, den Pioniergeist und die Ungezwungenheit vieler Amerikaner als für die uniformen Massenaufmärsche zum Lob der Chinesischen Revolution.

Scheitern aber die Neuen in Peking, kann das Folgen für uns haben. Nicht nur, dass dann irgendwann in deutschen Elektronikmärkten die Regale leer wären. China kann Druck machen auf Unternehmen und Regierungen. Nicht zuletzt, weil das Land inzwischen einer der wichtigsten Investoren und Gläubiger ist. Pekings imperialistisches Gebaren gerade zur See könnte schnell in einen Konflikt mit Amerika und seinen Verbündeten münden.

Wir müssen China ja nicht mögen, so wie wir Amerika lieben. Aber auf die Wahl der neuen Herrscher in Peking sollten wir achten.

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