PRESSEPORTAL Presseportal Logo
Alle Storys
Folgen
Keine Story von Universität Bremen mehr verpassen.

17.12.2020 – 10:59

Universität Bremen

COALA: Sprachassistent für die Produktion der Zukunft

COALA: Sprachassistent für die Produktion der Zukunft
  • Bild-Infos
  • Download

COALA: Sprachassistent für die Produktion der Zukunft

Nicht Alexa, Siri und Co., sondern COALA. Und nicht für Alltagsfragen, sondern für Fachfragen von Menschen, die in der Produktion arbeiten. Sofort, solide und vertrauenswürdig soll der intelligente Sprachassistent arbeiten. Unter Leitung des BIBA - Bremer Institut für Produktion und Logistik an der Universität Bremen haben nun 14 Partner aus fünf Nationen in einem EU-Projekt ihre Forschungen dazu aufgenommen. Zweiter deutscher Partner ist das Institut Technik und Bildung (ITB) der Uni Bremen.

Am Arbeitsplatz in der Fertigung ohne aufwendige Suche sofort die richtigen Informationen und individuell schnelle Hilfe selbst bei komplexen Problemen bekommen - Menschen in der Produktion soll künftig ein intelligenter Sprachassistent zur Seite stehen. Das System setzt auf Künstliche Intelligenz und soll auch den Wissenstransfer zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglichen. 14 Partner aus fünf Nationen arbeiten dazu nun im neuen europäischen Forschungs- und Entwicklungsprojekt "COALA" (COgnitive Assisted agile manufacturing for a LAbor force supported by trustworthy Artificial Intelligence). In Deutschland sind das BIBA - Bremer Institut für Produktion und Logistik sowie das Institut Technik und Bildung (ITB) der Universität Bremen beteiligt. Die Koordination des 5,7 Millionen Euro umfassenden Vorhabens liegt beim BIBA.

Vielfältige Herausforderungen

Wissensintensive Herstellungsprozesse bedürfen qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Deren Ausbildung ist für Unternehmen sehr zeit- und kostenintensiv. Erschwerend für die Unternehmen kommt der Fachkräftemangel hinzu. Eine weitere Herausforderung für das produzierende Gewerbe im Wettbewerb sind die sich stetig verkürzenden Produktionszyklen sowie die zunehmende Variantenvielfalt der Produkte. Zur Lösung wollen die COALA-Projektpartner aus Wissenschaft und Wirtschaft beitragen. Sie sitzen in Italien, den Niederlanden, Griechenland, Frankreich und Deutschland.

KI-Ethik als oberstes Gebot

Mit dem Fortschreiten der Digitalisierung und dem Einzug der Künstlichen Intelligenz (KI) in Management- und Produktionsprozesse stellen sich zunehmend ethische Fragen zu diesen neuen Technologien. Man redet hier von der "KI-Ethik". Unter diesem Aspekt erfolgen die Forschungen und Entwicklungen im Projekt COALA. Der Fokus liegt also - bei Einbinden und Nutzen aller technischen Möglichkeiten - vorrangig auf Transparenz sowie dem Schutz der Unternehmen, ihrer Daten und den Privatsphären aller Anwenderinnen und Anwender. Entsprechend werde COALA einen "vertrauenswürdigen Sprachassistenten" entwickeln, versichern die Partner.

Noch mit Arbeitstitel "COALA"

Als Alexa, Bixby, Cortana, Siri & Co. antworten Sprachassistenten auf alle möglichen Fragen. Um ihre Privatsphäre und Daten fürchtend, verzichten viele Menschen noch auf die Dienste dieser intelligenten Helfer, doch immer mehr schätzen sie mittlerweile als überaus nützliche Begleiter im Alltag. Denn sie sparen Zeit und Aufwand, liefern unverzüglich gewünschte Informationen sowie hilfreiche Vorschläge und Unterhaltung. In COALA entsteht nun einer der ersten vertrauenswürdigen Sprachassistenten für die Industrie. Er soll künftig Arbeitende in der Produktion unterstützen und kann beispielsweise per Smartphone oder Tablet verwendet werden.

Sicher mit Mycroft und WHY-Engine

Die COALA-Lösung basiert auf dem datenschutzfokussierten offenen Assistenten Mycroft. Sie ermöglicht unter anderem das schnelle Generieren von Datenanalysen und das Bereitstellen von Informationen für einzelne Arbeitsstationen. Deren Grundlage sind komplexe, verteilte Daten des Unternehmens.

Der COALA-Assistent soll beispielsweise die Frage beantworten können: Warum ist das Garn in meiner Webmaschine gerissen? Eine zügige, zuverlässige Antwort vor Ort im laufenden Prozess erlaubt eine zeitnahe Reaktion auf Produktionsprobleme und spart damit Kosten. Die Antwort erfordert die Verarbeitung vielfältiger Daten auch aus verschiedenen Datenbanken unterschiedlicher Abteilungen.

Weiteres Herzstück von COALA ist eine neuartige Erklärungssoftware, die WHY-Engine. Sie soll dem Assistenten ermöglichen, Warum-Fragen zu beantworten. Benutzerinnen und Benutzer können diese Fragen jederzeit stellen, um besser zu verstehen, warum und auf welcher Grundlage der Assistent eine bestimmte Antwort gegeben hat.

KI-Kompetenzen in der beruflichen Bildung

Eine wichtige Säule der erfolgreichen Anwendung von Sprachassistenten in der Produktion ist eine Integration des Themas KI in die berufliche Bildung. Das ITB wird hierzu ein didaktisches Konzept am Beispiel der Textilindustrie entwickeln. Zusätzlich wird in COALA ein Änderungsmanagementprozess erarbeitet, der Fachkräfte und Management über Chancen, Herausforderungen und Risiken in der Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI informiert.

Drei Anwendungsfälle im Blick

Das Konsortium forscht und entwickelt anhand von drei exemplarischen Anwendungsfällen aus den Industriefeldern Textil, Chemie und Haushaltsgeräte ("Weiße Ware"). Dafür öffnen die Projektpartner Fratelli Piacenza (Italien), Diversey Netherlands Production (Niederlande) und Whirlpool EMEA (Italien) ihre Produktionsstätten und stellen Daten zur Verfügung. Zusätzlich ist die Textilakademie von Biella (Italien) mit ihrem umfangreichen Ausbildungsangebot für Facharbeiterinnen und -arbeiter eingebunden.

Prognose: erhebliche Zeit- und Kostenersparnis

Das COALA-System sei von erheblicher wirtschaftlicher Relevanz für die es einsetzenden Unternehmen, sagen die Projektpartner. Es könne helfen, die Einarbeitungszeiten an Maschinen und Anlagen zu reduzieren und Qualitätsprobleme zu vermeiden. Aufgrund ihrer Vorstudien gehen sie davon aus, dass damit verbundene Kosten in einzelnen Fällen um bis zu 60 Prozent gesenkt werden könnten. Die beschleunigte Einarbeitung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wirkt sich auch auf die Rüstzeiten aus. Hier erwarten sie eine Reduzierung zwischen 15 und 30 Prozent.

Sabine Nollmann

Weitere Informationen:

www.coala-h2020.eu

www.biba.uni-bremen.de

www.itb.uni-bremen.de

www.uni-bremen.de

Fragen beantwortet:

Prof. Dr.-Ing. habil. Klaus-Dieter Thoben

Institutsleiter

BIBA - Bremer Institut für Produktion und Logistik

Telefon: +49 421 218-50 005

E-Mail: tho@biba.uni-bremen.de

Universität Bremen
Hochschulkommunikation und -marketing
Telefon: +49 421 218-60150
E-Mail: presse@uni-bremen.de

Über die Universität Bremen:
Leistungsstark, vielfältig, reformbereit und kooperativ - das ist die Universität Bremen. Rund 23.000 Menschen lernen, lehren, forschen und arbeiten auf dem internationalen Campus. Ihr gemeinsames Ziel ist es, einen Beitrag für die Weiterentwicklung der Gesellschaft zu leisten. Mit gut 100 Studiengängen ist das Fächerangebot der Universität breit aufgestellt. Als eine der führenden europäischen Forschungsuniversitäten pflegt sie enge Kooperationen mit Universitäten und Forschungseinrichtungen weltweit. Gemeinsam mit neun jungen Universitäten und vier assoziierten Mitgliedern aus dem Hochschul-, Nichtregierungs- und privaten Bereich gestaltet die Universität Bremen in den nächsten Jahren eine der ersten Europäischen Universitäten. Das Netzwerk YUFE - Young Universities for the Future of Europe wird von der EU-Kommission gefördert. In der Region ist die Universität Bremen Teil der U Bremen Research Alliance. Die Kompetenz und Dynamik der Universität haben zahlreiche Unternehmen in den Technologiepark rund um den Campus gelockt. Dadurch ist ein bundesweit bedeutender Innovations-Standort entstanden - mit der Universität Bremen im Mittelpunkt.



 
Weitere Storys: Universität Bremen
Weitere Storys: Universität Bremen