Polizeiinspektion Rotenburg

POL-ROW: Norddeutschlands Nadelöhr - Fernfahrerstammtisch informiert über Elbtunnel

v.l. POK Schilling (Autobahnpolizei Winsen/Luhe), PK Plümpe (Autobahnpolizei Sittensen), PHK Nordmann (Tunnelbetriebszentrale Hamburg)
v.l. POK Schilling (Autobahnpolizei Winsen/Luhe), PK Plümpe (Autobahnpolizei Sittensen), PHK Nordmann (Tunnelbetriebszentrale Hamburg)

Sittensen BAB1 (ots) - Jeder kennt die leidverursachenden Staumeldungen im Radio: Höhenkontrolle ausgelöst, 14 Km Stau vor dem Elbtunnel. Nadelöhr des Nordens wieder gesperrt. Aber ist die Höhenkontrolle wirklich die häufigste Ursache für eine Tunnelsperrung? Was passiert eigentlich bei einem Unfall mitten im Elbtunnel? Und wer ist für die neuen Tunnel nördlich des Elbtunnels zuständig?

Genau mit diesem Thema befasste sich der 168. Fernfahrerstammtisch der Polizeidirektion Lüneburg am vergangenen Mittwochabend an der Rastanlage Ostetal (Süd), direkt an der BAB 1.

Als Referent konnte Polizeihauptkommissar Nordmann von der Tunnelbetriebszentrale der Polizei Hamburg gewonnen werden. Dieser ist seit vielen Jahren in der Tunnelbetriebszentrale tätig und konnte so als Leiter der Betriebszentrale aus seinem umfangreichen Erfahrungsschatz zum Thema berichten.

Einleitend schilderte PHK Nordmann den 24 Teilnehmern einige allgemeine Eckpunkte zum Elbtunnel. 1975 wurde der Tunnel auf einer Länge von 3 km mit drei Röhren in Betrieb genommen. Täglich passieren durchschnittlich 110.000 Fahrzeuge den Tunnel. Werktags sogar 130.000 Fahrzeuge und zu Spitzenzeiten sind es fast 170.000 Fahrzeuge. Der tiefste Punkt des Elbtunnels liegt 28 m unter der Elbe und seit 2004 fließt der Verkehr durch alle 4 Röhren.

Besonders stolz ging PHK Nordmann auf die neue Sicherheitstechnik im Elbtunnel ein, die nach den Unglücken in anderen europäischen Tunneln, wie dem Mont-Blanc-Tunnel oder dem Gotthard-Tunnel, umfangreich installiert worden sind. So ist der Elbtunnel mit gekennzeichneten Notrufstationen und Notausgängen ausgestattet, durch die man bei Gefahr in benachbarte Röhren flüchten kann. Der Tunnel verfügt über Wasserhydranten für die Feuerwehr und Sensoren für eine automatische Branderkennung. Überwachungskameras sind im kompletten Tunnelbereich angebracht. Alle Röhren sind individuell in beide Fahrtrichtungen schaltbar, Gegenverkehr ist in den Röhren möglich. Stau im Tunnel selbst wird nicht zugelassen. Entsprechende Sperrungen einzelner Fahrstreifen oder Röhren sollen das verhindern. Schwere Brandunglücke sollen dadurch auf ein Minimum reduziert werden. Der letzte größere Fahrzeugbrand im Elbtunnel sei immerhin fast drei Jahre her, berichtete PHK Nordmann und klopfte dabei symbolisch auf Holz.

Die vier Elbtunnelröhren und ihre Ein- und Ausfahrten werden rund um die Uhr in der Tunnelbetriebszentrale überwacht. Wer genau den Elbtunnel überwacht, wurde den Zuhörern natürlich nicht vorenthalten. Vor der Monitorwand sitzen Polizei, Feuerwehr und die Betriebstechnik. Die Polizei überwacht und steuert den Verkehr, der Betriebstechniker ist für die Beleuchtung und Frischluft im Tunnel sowie der einwandfreien Nutzung der Notrufstationen zuständig. Die Feuerwehr, die sich an beiden Tunnelenden befindet, kann im Notfall sofort ausrücken. Bei Verkehrsunfällen im Tunnel wird die Röhre sofort gesperrt. Die Feuerwehr rückt aus und ist in weniger ist sofort im Tunnel. Mit eigenen Abschlepp-Fahrzeugen werden die verunfallten Fahrzeuge unverzüglich aus dem Tunnel geborgen.

Natürlich war es eine Frage der Zeit bis die ersten Fragen zur Höhenkontrolle laut wurden. Eine exakte Auslösehöhe ließ sich Polizeihauptkommissar Nordmann aber nicht entlocken. PHK Nordmann verriet aber als Kompromiss, dass die neue Röhre höher sei als die alten Röhren. Hier wird nahezu nie die Höhenkontrolle ausgelöst.

In diesem Zusammenhang klärte PHK Nordmann die aufmerksamen Zuhörer über die häufigsten Gründe einer Tunnelsperrung auf. Entgegen der weitverbreiteten Annahme macht die Auslösung der Höhenkontrolle nur einen geringen Prozentsatz aus. Die häufigsten beiden Ursachen für eine Tunnelsperrung sind tatsächlich liegengebliebene Fahrzeuge im Tunnel und geplante Wartungsarbeiten, die in fast jeder Nacht stattfinden.

Abschließend ging PHK Nordmann auf die neue sogenannte "Tunnelkette" ein. Gemeint sind hier der Elbtunnel, der bald erbaute Altona-Tunnel, der teilweise erbaute Stellingen-Tunnel und der teilweise erbaute Schnelsen-Tunnel. Die Teilnehmer interessierten sich brennend für die geplanten Fertigstellungszeiten. Hier konnte PHK Nordmann Licht ins Dunkel bringen. Der Schnelsen-Tunnel wird voraussichtlich Ende 2019 und der Stellingen-Tunnel voraussichtlich Anfang 2021 fertig sein. Erst danach beginnt der Bau des Altona-Tunnels, der voraussichtlich bis 2026 andauern wird. Und wer ist zuständig für die neuen Tunnel? Natürlich die Tunnelbetriebszentrale, die im Übrigen auch für den Wallringtunnel mitten in der Innenstadt Hamburgs zuständig ist. Die Überwachungsbilder aller Tunnel laufen in der Betriebszentrale über dem Elbtunnel zusammen.

Das starke Interesse der Zuhörer wurde durch diverse kleinere Diskussionen und Fragen deutlich. So konnte die eine oder andere Frage durch PHK Nordmann gleich geklärt werden.

Der nächste Fernfahrerstammtisch findet am 05.12.2018, wieder an der Rastanlage Ostetal in Fahrtrichtung Hamburg, statt. Der vorweihnachtliche Fernfahrerstammtisch wird das ereignisreiche Jahr wie gewohnt mit einem Jahresrückblick abschließen.

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