Polizeipräsidium Frankfurt am Main

POL-F: 011120 Pressemitteilung 2, PP Frankfurt

        Frankfurt (ots) - 011120 -  1330      Oberrad:  Fingerabdruckspur
auf Rotweinflasche überführt Täter - Tötungsdelikt aus dem Jahre
1992 aufgeklärt.

  Am 14.12.1992, es war ein Montag, wurde ein damals 72 Jahre alter
Mann in seinem in den Oberräder Gärten freistehenden Haus ermordet
aufgefunden. Er lag im Bett und war mit mehreren Messerstichen
getötet worden. Entdeckt wurde der Leichnam von einem Polizeibeamten
der Reiterstaffel der Frankfurter Polizei, der mit dem 72jährigen zu
Lebzeiten seit einigen Jahren freundschaftlich verbunden war. Die
Haustüre stand offen, eine von drei Butzenglasscheiben ware
eingeschlagen worden, in der Küche und im Schlafzimmer brannte
Licht. Letztmals lebend war das Opfer in den Mittagsstunden des
09.12.1992 von dessen Putzfrau gesehen worden.  Aufgrund der
Feststellungen am Tatort und verschiedener Zeugenaussagen dürften
der oder die Täter bereits in der Nacht vom 09. zum 10.12.1992 die
Glasscheibe eingeschlagen haben und so in das Gebäude eingedrungen
sein. Nach der Spurenlage wurde das Opfer in seinem Bett überrascht
und dort getötet. Entwendet wurde offensichtlich nur ein Sparbuch.
Im Laufe des 10.12.1992 wurde ein "junger, blonder Mann" mit diesem
Sparbuch bei einer Sparkassenfiliale in Oberrad vorstellig und
versuchte einen größeren Geldbetrag abzuheben. Dies scheiterte
jedoch mangels erforderlicher Vollmacht. Durch den Erkennungsdienst
wurde an einer auf dem Küchentisch der Tatwohnung stehenden
Rotweinflasche ein auswertbarer Fingerabdruck gesichert, der jedoch
keinem Berechtigten zugeordnet werden konnte. Am 14.10.1993 wurden
die Ermittlungen erfolglos eingestellt. Anfang März 1994 teilte der
Erkennungsdienst mit, daß der an der Rotweinflasche gesicherte
Fingerabdruck einem heute 47 Jahre alten tschechischen Staatsbürger
zugeordnet werden konnte. Dieser wurde am 22.12.1992 - also etwa 10
Tage nach der Tötung des 72jährigen - zusammen mit einem heute 31
Jahre alten Landsmann durch Polizeibeamte im Bereich der Mörfelder
Landstraße überprüft. Die Männer waren dabei beobachtet worden, wie
sie offensichtlich bei strömenden Regen Wohnungen ausbaldowerten.
Bei dem 47jährigen bestanden Zweifel an der Echtheit seiner
Ausweispapiere. Gegen den 31jährigen bestand seinerzeit Haftbefehl
der Staatsanwaltschaft Bonn. Beide Männer wurden
erkennungsdienstlich behandelt und einer Justizvollzugsanstalt
überstellt. Ende April 1993 wurde der 47jährige in die damalige
Tschechoslowakei abgeschoben; sein Landsmann Anfang Januar 1993 nach
Bonn verlegt. Bei einer Kontrolle Ende April des gleichen Jahres in
Bayreuth gab der 31jährige als Meldeanschrift ein Männerwohnheim in
Frankfurt/M. an. Danach verlor sich seine Spur. Anfang März 1994
wurde durch intensive Ermittlungen versucht, die Frage zu klären, ob
der 47jährige evtl. tatortberechtigt gewesen sein kann. Dies konnte
jedoch bald ausgeschlossen werden. Eine Vorlage der Lichtbilder der
beiden Männer bei der Sparkassenangestellten, bei der am 10.12.1992  
der "junge, blonde Mann" mit dem Sparbuch des Opfers Geld abheben
wollte, verliefen negativ. Am 07.04.1994 erging dann nur gegen den
47jährigen Untersuchungshaftbefehl werden Mordes zum Nachteil des 72
Jahre alten Oberräders. Nachdem Interpol Prag im April 2001
mitgeteilt hatte, daß der 47jährige in seiner Geburtsstadt Ostrau
wohnhaft ist, aber einer Auslieferung nicht in Frage kommt, wurde,
bevor an ihn herangetreten werden sollte, seine Vernehmung und die
Entnahme von Vergleichsmaterial im Rahmen der Rechtshilfe
vorbereitet. Gleichzeitig konnte nunmehr ermittelt werden, daß der
31jährige, mittlerweile verheiratet, in Offenbach wohnt. Somit
konnten beide Männer zeitgleich am 13.11.2001 vernommen werden. Der
in Frankfurt vernommene 31jährige gab nach wenigen Vorhalten zu,
zusammen mit seinem jetzigen Schwager in einer Dezembernacht des
Jahres 1992 in das Anwesen des Mordopfers eingedrungen zu sein.
Jetzt stellte sich aber heraus, daß sein Mittäter nicht der in
Ostrau ermittelte und parallel vernommene 47jährige, sondern ein
heute 44 Jahre alter Mann aus Tschechien, war. Der 47jährige konnte
nämlich glaubhaft machen, daß ihm 1992 bei einem Wohnungseinbruch
alle Ausweispapiere entwendet worden waren. Ein zusätzlicher
Fingerabdruckvergleich mit der Tatortspur schloß diesen auch als
Täter aus. Zum Tatablauf gab der 31jährige an, daß er und der
44jährige zufällig an dem Anwesen des Mordopfers vorbeigekommen
seien. Dabei habe der 44jährige angeblich vorgeschlagen, dort
einzubrechen. Nachdem sie eine Glasscheibe der Eingangstür
eingeschlagen hatten und in dem Haus waren, soll der alte Mann
aufgewacht sein. Er, der 31jährige, will daraufhin weggelaufen sein.
Sein Komplize kam später nach und hatte ein Sparbuch dabei. Mit
diesem versuchte er am nächsten Tag Geld abzuheben. Erst als der
31jährige in der Zeitung von dem Mord las und seinen Landsmann
fragte, ob er den Mann getötet habe, hätte dieser mit den Worten,
"daß er schon immer mal einen umbringen wollte", den Vorhalt
bestätigt. Am 14.11.2001 wurde der 31jährige dem Haftrichter
vorgeführt, der gegen ihn Haftbefehl wegen Beteiligung an der Tötung
des Oberräders erließ. Da der 44jährige gegenwärtig in Pilsen eine
langjährige Freiheitsstrafe wegen Raubes verbüßt, konnten dort
zwischenzeitlich seine Fingerabdrücke verglichen werden. Dabei
stellte sich heraus, daß er sich 1992 mit dem Ausweis des 47jährigen
ausgewiesen hatte und er der Verursacher der Fingerspur an der
Rotweinflasche ist. Durch die sofortige Erweiterung des
Rechtshilfeersuchen konnte der 44jährige am 14.11.2001 in der
Justizvollzugsanstalt in Pilsen gehört werden. Er gab an, den
31jährigen (seinen Schwager) nicht zu kennen, niemals in Frankfurt
gewesen zu sein und meinte auf konkrete Vorhalte, daß die Polizei
lügen würde. Da das Verfahren gegen den 44jährigen vermutlich von
der Staatsanwaltschaft Pilsen übernommen werden wird, wurde von
weiteren Vernehmungsversuchen zunächst Abstand genommen. Nach dem
derzeitigen Ermittlungsstand gehen die Ermittler davon aus, daß das
Tötungsdelikt zum Nachteil des damals 72 Jahre alten Oberräders als
geklärt angesehen werden kann. (Karlheinz Wagner/ -8014).

Bereitschaftsdienst: Jürgen Linker, Telefon 06172-44189



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