BDU Bundesverband Deutscher Unternehmensberater

BDU: Brüsseler Bedenken gegen Überregulierung der Freien Berufe ernst nehmen

    Bonn (ots) -
    
    Bundesregierung ist aufgerufen, Liberalisierungen selber zu
    gestalten - Kooperationsmöglichkeiten zwischen Freien Berufen  
    verbessern
    
    Nach der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH),
Standesorganisationen von Angehörigen Freier Berufe dem
EU-Kartellrecht zu unterwerfen, fordert der Präsident des
Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater BDU e.V., Rémi Redley,
von der Bundesregierung mehr Initiativen in der europäischen
Wettbewerbspolitik. Die Standesregeln für die Freien Berufe müssten
endlich auf einen gemeinsamen europäischen Mindeststandard gebracht
werden.
    
    Redley bezieht sich auf die jüngsten Entscheidungen des EuGH, in
denen berufsständische Kammern als Unternehmensvereinigungen und
nicht als Selbstverwaltungskörperschaften eingestuft wurden. Er
vermisse allerdings von der Bundesregierung wirksame Initiativen auf
europäischer Ebene, um den nun einsetzenden Prozess der
Liberalisierung europäischer Dienstleistungen zu gestalten und auf
ihn Einfluss zu nehmen. "Momentan geben nur die europäischen
Gerichtshöfe und die Europäische Kommission den Takt vor", meint
Redley, "die deutsche Politik schweigt sich aus".
    
    Redley schlägt eine Initiative zu einer umfassenden Novellierung
des deutschen Standesrechts vor, um es europatauglich zu machen. "Es
kann doch nicht sein, dass erst die EU-Gerichte scheibchenweise die
nationalen Gesetze deregulieren müssen und die Nationalstaaten nicht
einmal ihrem selbstgesetzten Anspruch, Europa bis zum Ende des
Jahrzehntes zum modernsten Wirtschaftsraum der Welt zu machen,
genügen können."
    
    Dabei redet Redley nicht einer völligen Abschaffung von
Standesorganisationen das Wort. "Das gesamte Kammersystem in
Deutschland über den Haufen zu werfen, ist nicht realistisch. Aber es
müssen endlich die Voraussetzungen geschaffen werden, dass kompetente
Unternehmensberater und andere nicht verkammerte Freie Berufe EU-weit
mit Rechtsanwälten und Steuerberatern enger kooperieren dürfen."
Schließlich gebe es gerade aus Reihen internationaler Kunden ein
großes Bedürfnis nach Beratung aus einer Hand.
    
    Redley übersieht dabei nicht Probleme, wie sie im Fall Enron
aufgetreten sind. "Natürlich muss Vorsorge getroffen werden, damit
nicht eine Gesellschaft nicht zugleich berät und prüft." Aber auch
solche Detailprobleme dürften nicht den Blick dafür verstellen, dass
mit der zunehmenden Verflechtung europäischer Dienstleistungen auch
die Beratungsangebote Schritt halten müssten. Redley empfiehlt daher
die Einsetzung einer Kommission, in denen die Vertreter der Freien
Berufe wirtschaftsnahe Lösungsvorschläge erarbeiten sollen. "Und dann
muss die Bundesregierung endlich in Brüssel Flagge zeigen", fordert
der Chef des weltweit größten Beraterverbandes.
    
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