Kirchentagspräsident kritisiert Arbeitgeber Kirche Robbers fordert Zusammenarbeit mit Gewerkschaften

Hamburg (ots) - Der Präsident des Evangelischen Kirchentages, Gerhard Robbers, hat die Kirchen als Arbeitgeber kritisiert. Die Kirchen müssten "in ihren Einrichtungen ein Beispiel sein und besser wirtschaften - nicht mehr Geld verdienen, sondern ein Vorbild im Umgang mit den Beschäftigten sein", sagte Robbers der ZEIT-Beilage "Christ und Welt". Es gebe "zu viele Betriebe, die das nicht sind." Die Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände sind mit mehr als 1,2 Millionen Beschäftigten der größte Arbeitgeber nach dem Staat. Robbers, der an der Universität Trier Staatsrecht lehrt, forderte die Kirchen auf, enger mit Gewerkschaften zusammenzuarbeiten. "Mich macht betroffen, dass es über Jahrzehnte zwischen Kirche und Gewerkschaft eher Konfrontation gab als das Bewusstsein, dass man sich gemeinsam um Behinderte, Alte, Junge oder Verschuldete kümmern muss", sagte er. Bisher handeln die Kirchen Tarife in eigenen Kommissionen aus und verbieten Streiks und Aussperrungen. Vor vier Wochen hat das Bundesarbeitsgericht dagegen Streiks in Kirchen erlaubt, wenn die Gewerkschaften nicht an Tarifverhandlungen beteiligt sind. Wie Robbers sagte, will der kommende Evangelische Kirchentag im Mai in Hamburg Konzepte entwickeln, "in denen Gewerkschaften und Kirchen künftig partnerschaftlicher zusammenarbeiten können."

Mehr Staatsverträge mit Muslimen

Robbers forderte die Bundesländer auf, Staatsverträge mit muslimischen Dachverbänden zu schließen. Im November hatte Hamburg als erstes Bundesland einen Vertrag mit drei Verbänden unterzeichnet. Er war auf Kritik gestoßen, da alle drei Partner einen konservativen Islam vertreten. Nach Robbers' Ansicht sind solche Verträge überfällig: "Wir müssen die viereinhalb Millionen Muslime einbeziehen. Niemand kann von Zuwanderern verlangen, Werte des Grundgesetzes zu leben, wenn man sie nicht in die deutsche Gesellschaft hineinlässt."

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Silvie Rundel
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