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Wolfram Siebeck: Die Köche sitzen auf hohem Ross

Hamburg (ots) - Deutschlands berühmtester Restaurantkritiker Wolfram Siebeck (79) hält wenig von seinen jüngeren Berufskollegen. Dem ZEITmagazin sagt Siebeck: "Die Jungen, die über mich herziehen, haben zu wenig Erfahrung in dem Job. Heute hat kein Mensch im Alter von 30 oder 40 Jahren diese Restauranterfahrung wie ich damals. Jeder muss sich warmschreiben, und gerade bei Restaurantkritiken braucht man Übung. Erst die 50., vielleicht sogar erst die 100. wird richtig gut. Erst dann ist man sicher im Urteil. Junge Journalisten heute, die wollen erst mal eine Familie gründen, eine Wohnung kaufen, ein Auto. Die gehen nicht auf eigene Kosten in ein feines Restaurant, um sich zu bilden. Ich habe ganz Europa abgefressen aus eigener Tasche, das war sozusagen mein Universitätsstudium, es war wunderbar." Siebeck wird am 19. September 80 Jahre alt.

Siebeck wurde von Willy Fleckhaus, dem Grafikdesigner und Gründer von "Twen", beeinflusst, Restaurantkritiken zu schreiben. Früher hätten Restaurantkritiken sogar manchmal dazu geführt, Existenzen zu zerstören, doch heute, stellt Siebeck fest, "sitzen die Köche eh auf ihrem hohen Ross, und es ist denen egal, was ich schreibe".

Über seine Frau Barbara, die ihn auf allen seinen Reisen begleitet, sagt der Gourmet: "Sie hat einen riesigen Einfluss. Schon deshalb, weil ich immer viel mehr trinke als sie und mich auch aus diesem Grund darauf verlassen muss, dass auch sie was vom Essen mitbekommt." Schon auf dem Heimweg würden sie über das Essen reden: "Meistens schreibe ich gleich nachts. Am nächsten Tag habe ich oft vieles schon vergessen." Das Geheimnis seiner fast 40-jährigen Ehe sieht er in getrennten Schlafzimmern: "Das muss sein. Auch weil ich schnarche."

Siebeck: "Manche sagen, ich sei arrogant. Ich bin arrogant!" Er selbst bezeichnet sich als Snob. Er würde gerne in Paris leben, doch habe er kein Geld dafür. "Es wäre aber schon ein Traum, da noch einmal hinzuziehen mit meiner Frau."

Als Henkersmahlzeit würde sich Wolfram Siebeck "Austern und einen guten Wein" wünschen: "Fast würde ich sagen, das reicht schon. Obendrauf noch eine Krabbe und ein Stück vom Hummer und ein paar Muscheln. Also am besten eine Platte fruits de mer, wie man sie in der Bretagne überall kriegt. Ja, das wär's."

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Das komplette ZEIT-Interview der ZEIT Nr. 39 vom 18.September 2008 
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