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Steinmeier kritisiert Merkel-Ablehnung von Obama-Redeort

Hamburg (ots) - Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat den Streit über US-Senator Barack Obamas Auftritt in Berlin als "kleinlich" bezeichnet. Anlässlich des Obama-Besuchs in Berlin sagt Steinmeier der ZEIT, er habe die deutsche Auseinandersetzung darüber, wo Obama sprechen dürfe, "von Beginn an als sehr oberflächlich" empfunden. Der US-Präsidentschaftskandidat halte "die einzige öffentliche Rede seiner einwöchigen Auslandsreise" in Berlin. "Und wir haben nichts Besseres zu tun, als eine Debatte darüber loszutreten, ob er am Brandenburger Tor oder 150 Meter vom Tor entfernt reden darf", sagt Steinmeier. "Das fand ich kleinlich."

Damit reagiert der Außenminister auf die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die eine Rede Obamas am Brandenburger Tor abgelehnt hatte. Auf die Frage, warum er die Meinungsverschiedenheit mit der Kanzlerin öffentlich gemacht habe, erklärt der Außenminister, andernfalls "wäre der falsche Eindruck entstanden, ich schlösse mich der Kritik an".

Steinmeier fordert dazu auf, den Auftritten von Obama in Europa "besonderes Augenmerk zu schenken". Obwohl Obamas prägende politische Erfahrungen aus der Zeit nach dem Ende des Kalten Krieges stammten, "räumt er der Befestigung und Erneuerung der transatlantischen Beziehungen einen prioritären Rang ein", sagt Steinmeier. Mit seinem Besuch gebe Obama den Europäern das Signal: "Ich interessiere mich für Euch." Angesichts der Neuorientierung amerikanischer Interessen nach Asien sei dies nicht selbstverständlich.

Auf etwaige Erwartungen Obamas, Deutschland solle sich in Afghanistan stärker engagieren, reagiert Steinmeier zurückhaltend. Deutschland zeige schon seit 2001 "stabiles und nachhaltiges Engagement in Afghanistan". Er könne nicht erkennen, "dass wir diejenigen sind, die in der Kritik stehen werden".

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