DIE ZEIT

Verleger will Kampf für Biller-Roman fortsetzen

Hamburg (ots) - Für den verlegerischen Geschäftsführer des Kiepenheuer & Witsch Verlages, Helge Malchow, ist der jahrelange Streit um Maxim Billers Roman Esra zur Ehrensache geworden. Der ZEIT sagt Malchow: "Ein Verlag muss für die Bücher, die er aus guten Gründen verlegt hat, kämpfen, zur Not auch vor Gericht. Die Geburtsstunde meiner Haltung in diesen Fragen war der Kampf um Salman Rushdies Satanische Verse. Dass das Buch schließlich in Deutschland trotz der Fatwa erschien, war ein Zeichen für die Freiheit der Literatur." Er sehe zwar in Biller nicht den neuen Rushdie, "aber das Verbot eines anerkannten literarischen Werks bedeutet auf jeden Fall eine empfindliche Einschränkung der Kunstfreiheit, die das Grundgesetz garantiert".

"Besonders skandalös", sagt Malchow, sei "die zusätzliche Argumentation des zuständigen Münchner Richters, nach der die Höhe der Entschädigungszahlung der Verlag zu verantworten hat, weil er immer wieder Rechtsmittel eingesetzt hat. So wird vom Landgericht München sehenden Auges ein Grundrecht infrage gestellt - und so auch noch die Höhe des Schmerzensgeldes begründet."

Malchow: "Es belastet unsere Arbeit in den Lektoraten. Es ist eine Bedrohung für jeden Schriftsteller, der seine Arbeit ernst nimmt. Kunstwerke entstehen nach einer ästhetischen, nicht nach einer juristischen Logik - nach der Logik dieses Urteils müssten ganze Bibliotheken der Weltliteratur umgeschrieben werden. Wir haben es hier offensichtlich mit einer neuen Form von Biedermeier-Mentalität zu tun, mit einer Sehnsucht nach konfliktfreier Wohlfühl-Kultur. Wir leben in einer Diktatur der Harmlosigkeit."

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