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Böhmer: Zulassung von PID kein gangbarer Weg

    Berlin (ots) - Anlässlich der ersten Lesung eines Gesetzentwurfes
der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag zur Regelung der
Präimplantationsdiagnostik (PID) erklärt die Stellvertretende
Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestags-fraktion, Professor Dr. Maria
Böhmer MdB:
    
    In großer Gemeinsamkeit hat der Bundestag die Enquete-Kommission
"Recht und Ethik der modernen Medizin" eingesetzt, aber die FDP ist
an deren abschließendem Votum zum sensiblen Thema PID anscheinend
nicht interessiert. In der Begründung ihres Gesetzentwurfes schreibt
sie: "Der Gesetzentwurf setzt die Auffassung der Enquete-Kommission
um, dass die PID durch den Gesetzgeber geregelt werden muss." Auf die
schriftlichen Ausführungen der Enquete dazu will sie aber nicht
warten. Auf diese Weise wird aus einem schwerwiegenden Thema eine
Profilierungsveranstaltung der FDP im Bundestag.
    
    Viele fragen sich, wie man Paaren mit Kinderwunsch helfen kann,
die auf Grund einer genetischen Veranlagung für eine schwere
Erbkrankheit oder eine Behinderung Angst haben müssen, dass ihr Kind
davon betroffen sein könnte. Die Präimplantationsdiagnostik kann für
mich keine Lösung sein.
    
    
    * Die PID bedeutet, dass menschliches Leben selektiert und getötet
wird. Das betrifft in grundsätzlicher Weise die Würde des Menschen,
sein Lebensrecht und unsere Grundwerteordnung. Bei der PID findet
durch eine Auswahl von Embryonen nach "tauglich" und "untauglich"
unweigerlich eine Zuschreibung von Lebenswert statt. Damit etabliert
die PID ein neues Prinzip.
    
    * Eine immer wieder genannte Eingrenzung auf 150 Paare im Jahr
wird nicht möglich sein. Das zeigen Erfahrungen aus den USA mit PID
und aus Deutschland mit der Pränataldiagnostik (PND). Beide Methoden
werden mittlerweile regelmäßig eingesetzt. Außerdem droht die PID,
zum Routine-Screening bei der IVF zu werden, um deren Erfolgsraten zu
erhöhen.
    
    * Auch die Indikation einiger immer wieder genannten schweren
Erbkrankheiten ist problematisch. Chorea Huntington bricht bei
Menschen mit der entsprechenden Anlage im Alter von 30 bis 50 Jahren
aus. Bei Mukoviszidose lag die Lebenserwartung früher bei wenigen
Jahren, inzwischen hat man so große Therapiefortschritte gemacht,
dass sie auf annährend 40 Jahre gestiegen ist.
    
    * Es ist mehr als fraglich, ob die PID den Paaren mit Kinderwunsch
und insbesondere den Frauen mehr Selbstbestimmungsrechte einräumt.
Wer zur PID "JA" sagt, hat doch die Entscheidung schon abgegeben!
Frauen fühlen sich massiv unter Druck gesetzt. Das wissen wir aus
empirischen Untersuchungen zur PND. Mit der Zulassung der PID wird
der Erwartungsdruck verbunden sein, sich ihr zu unterziehen.
    
    * Für die 162 nach PID geborenen Kinder, die die European Society
of Human Reproduction erfasst, wurden 10 220 Eizellen befruchtet und
7991 Embryonen hergestellt. Das sind fast 50 Embryonen pro geborenem
Kind. Der Schwangerschaftserfolg über alle begonnenen Zyklen liegt
bei 9,3%. Wer nur auf die geborenen Kinder verweist, verschweigt die
ungeheure Belastung, der alle Frauen, die sich einer PID unterziehen,
in der Regel ausgesetzt sind. Die FDP behauptet: "Die PID hilft späte
Abbrüche nach PND ...zu ersparen". Das ist falsch. Die PID führt in
der Regel gerade nicht zu einem Verzicht auf die PND. Damit ist die
körperliche und seelische Belastung für die Frau in der Regel noch
größer.
    
    Wir dürfen den Menschen nicht auf seine genetische
Grundausstattung reduzieren. Das geschieht bereits, wenn es um
schwere Erbkrankheiten geht, und noch viel mehr, wenn die Diagnose
auf weitere Merkmale und Veranlagungen ausgeweitet wird. Die PID
macht den Mensch zum Objekt: zum Wunschobjekt seiner Eltern, zum
Objekt der Begierde von Wissenschaftlern und Medizinern, zum Objekt
einer zukünftigen Gesellschaft. Hier wird Glück mit Gesundheit
gleichgesetzt. Aber wie viele andere Wurzeln haben Glück und
Zufriedenheit! Die Zulassung der PID ist ein Weg, der nicht
beschritten werden darf, auch nicht in vermeintlich engen Grenzen.
    
    
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