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Kauder: Europa muss sich in Ägypten wieder stärker engagieren

Berlin (ots) - Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, ist in dieser Woche zum vierten Mal innerhalb der vergangenen drei Jahre nach Ägypten gereist. Dabei sprach er auch als erster Politiker nach dem Inkrafttreten der neuen Verfassung mit dem starken Mann des Landes, Militärchef und Verteidigungsminister Abdel Fattah al-Sisi. Zum Abschluss seiner Reise erklärt Kauder:

"Deutsche und Europäer sollten sich wieder stärker Ägypten zuwenden. Nach meinen Gesprächen habe ich die Hoffnung, dass sich das Land in nächster Zukunft positiv entwickelt. Wir sollten Ägypten auf seinem schwierigen Weg begleiten. Nur so hat Europa die Möglichkeit, den Kurs seines Nachbarn im Süden des Mittelmeers zu beeinflussen. Ansonsten überlassen wir dies anderen. Daran können wir kein Interesse haben.

In Deutschland und Europa ist viel über den Charakter des Umsturzes im vergangenen Sommer diskutiert worden, der zur Entmachtung der Muslimbrüder geführt hat. Diese Diskussion führt nun nicht weiter. Nach den Eindrücken auf unserer Reise wünschen sich die Ägypter vor allem Sicherheit und eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. Der ganz überwiegende Teil der Menschen schaut nicht mehr zurück, sondern in die Zukunft. Dies sollte die europäische Außenpolitik zum Ausgangspunkt ihres Handelns nehmen.

Armeechef und Verteidigungsminister Sisi hat deutlich gemacht, dass Ägypten an einer Zusammenarbeit mit Deutschland und Europa sehr interessiert ist. Deutschland sollte überlegen, ob es sich nicht noch stärker im Bereich der Bildung und der Kultur engagieren kann. Für die Zukunft Ägyptens ist es notwendig, dass vor allem die Jugend eine Perspektive bekommt. Vielleicht können wir dafür einen kleinen Beitrag leisten.

Langfristige Stabilität wird die ägyptische Gesellschaft auch nur dann erreichen, wenn alle Teile der Gesellschaft auf den Weg in die Zukunft mitgenommen werden. Das gilt auch für die Anhänger der Muslimbrüder, sofern sie der Gewalt abgeschworen haben. Auch die Anhänger der Muslimbrüder müssen aber zur Versöhnung bereit sein. Die Lage der Menschenrechte insbesondere der Pressefreiheit wird aus Sicht der CDU/CSU-Bundestagsfraktion darüber hinaus ein Gradmesser für die Entwicklung des Landes sein. Unsere ägyptischen Gesprächspartner wissen dies nun.

Die Lage der Kopten hat sich nach ihrer Einschätzung in den vergangenen Monaten verbessert. Papst Tawadros II. hat sich zuversichtlich gezeigt und von einem neuen Denken in Ägypten gesprochen. Muslime und Christen hätten in den vergangenen Jahrzehnten noch nie so eng zusammengestanden. Nachdem wir uns in jüngster Vergangenheit erhebliche Sorgen um die Christen machen mussten, erfreuen uns diese Aussagen. Wir werden den Kontakt zu unseren Glaubensbrüdern und -schwestern halten."

Hintergrund

Kauder hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder vor Ort über die Entwicklung informiert. Er hat in allen Phasen des Umbruchs Ägypten besucht.

Neben Sisi und Papst Tawadros II. sprach er dieses Mal auch mit Industrieminister Mounir Fakhry Abdel Nour und Vertretern deutscher Institutionen. Am Donnerstagabend hatte er eine lange Diskussion mit Schülern deutschsprachiger Schulen in Kairo, die einen Einblick in die Vorstellung der Jugend in Ägypten gaben.

Am Freitag besuchte Kauder den Festgottesdienst zum 150. Jahrestag der Gründung der evangelischen Gemeinde in Kairo und das koptische Viertel der Stadt.

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