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Supermarktketten mit Kaninchenfleisch aus tierquälerischer Haltung beliefert
SWR-Recherchen für "Brisant", 24. Juni, 17.15 Uhr im ERSTEN

Mainz (ots) - Wie der SWR heute berichtet, stammt das meiste betroffene und zum Teil noch im Handel befindliche Kaninchenfleisch aus Mast- und Zuchtanlagen in Tschechien und Italien. Recherchen haben ergeben, dass die Tiere durch die Form der Haltung gequält wurden. Tierschützer haben dem Südwestrundfunk in Mainz aktuelle Bilder aus einem solchen Betrieb zugespielt. Sie zeigen tausende von Tieren, untergebracht in drangvoller Enge in kleinen Drahtkäfigen. Viele Kaninchen sind missgebildet oder verstümmelt. Auch viele tote Tiere wurden entdeckt.

Der Betrieb, aus dem die Bilder stammen, hat auch große deutsche Supermarktketten wie Real und Edeka beliefert. Mit den Fakten konfrontiert, überprüfte Real die SWR-Recherchen, die heute in einem Film im Boulevardmagazin "Brisant" im ERSTEN zu sehen sind. Ergebnis: Schon am Dienstag wurden die Produkte aus dem Supermarkt-Sortiment genommen und der Vertrag mit dem Unternehmen gekündigt. Ein Real-Sprecher dazu wörtlich: "Lieferanten, die sich jedoch nachweislich nicht an die strengen Vorgaben halten, werden von uns nicht weiter als Vertragspartner geführt. Daher haben wir in diesem Fall nach Prüfung des uns von Ihnen zur Verfügung gestellten Bildmaterials umgehend eigene Überprüfungen des Lieferanten beauftragt. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Haltungsbedingungen des betroffenen Unternehmens [...] aus Tschechien in keiner Weise mit den Vorgaben übereinstimmen. Daher haben wir die Entscheidung getroffen, ab sofort keine Ware mehr der Firma [...] im Sortiment zu führen. Alle bereits im Markt befindlichen Artikel haben wir umgehend aus dem Verkauf genommen." Edeka will den Vorgang ebenfalls prüfen.

Das deutsche Zertifizierungsunternehmen Gütegemeinschaft Ernährung (GGE) hatte den tschechischen Betrieb angeblich geprüft und zertifiziert. Laut GGE halten Betriebe mit einem solchen Siegel Tiere artgerecht. GGE lehnte zu dem Vorgang ein Interview ab. Veterinäre wie Dr. Karl Fikuart von der Bundestierärztekammer halten diese Form der Kaninchenhaltung für Tierquälerei, das GGE-Zertifikat für blanken Etikettenschwindel. Insofern seien die Supermärkte hier zum Opfer geworden. Dr. Karl Fikuart: "Die Mast von Kaninchen in Käfigen halten wir Tierärzte für nicht tiergerecht und lehnen sie daher ab." Auch das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz will sich nun des Themas annehmen und stellt zum Herbst eine neue Mitarbeiterin ein, die sich diesem Thema mit oberster Priorität widmen soll.

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