BR Bayerischer Rundfunk

Bayerisches Fernsehen
"Showgeschichten" mit Maria Hellwig
Die Jodelkönigin feiert 80. Geburtstag

    München (ots) -          "Showgeschichten" mit Gerhard Schmitt-Thiel und Maria und Margot     Hellwig     Sonntag, 20. Februar 2000, 14.45 Uhr, im Bayerischen Fernsehen

    Sie sind die Topstars der Volksmusik. Sie haben das Jodeln auch
außerhalb Bayerns zum Renner gemacht und verbreiten Lebensfreude.
Ihre Tourneen führten sie rund um den Globus. Ob in Europa, Asien,
Afrika oder Amerika, man kennt sie, die Chiemgauerinnen Maria und
Margot Hellwig. Und Maria Hellwig brachte es sogar fertig, in der
Sowjetunlon auf russisch zu jodeln. Kaum einer glaubt, dass Maria
Hellwig am 22. Februar 80 Jahre alt wird!
    
    Ihr zu Ehren zeigt das Bayerische Fernsehen am 20. Februar 2000
die "Showgeschichten" mit Maria Hellwig und ihrer Tochter Margot. Bei
Gerhard Schmitt-Thiel erzählt Maria Hellwig, warum ihr zweiter Mann
Addi so wichtig für sie war, warum ihre Tochter Margot ihre beste
Freundin ist und welche Erfahrungen sie als Schauspielerin gemacht
hat.
    
    "Mein größter Wunsch ist, Uroma zu werden ..."
    
    Interview mit Maria Hellwig (und Tochter Margot), das Jürgen
    Berens kürzlich geführt hat
    
    Frau Hellwig, was bedeutet Musik für Sie?
    
    Maria Hellwig: Musik, Singen ist Lebensqualität. Wenn ich nicht
singen könnte, würde ich nicht mehr leben. Um es in Stichworten zu
sagen: Ich bin mit Musik aufgewachsen. Bei uns war es Brauch,
gemeinsam zu singen. Und es spielte jeder ein Instrument. Es war eine
andere Zeit. Es gab noch kein Fernsehen. Die Kommunikation war eine
völlig andere. Außerdem ist die Musik ein Freudenspender. Es ist
nicht das Geld, was im Vordergrund steht - man kann anderen Menschen
Freude schenken. Musik ist schlicht und einfach mein Leben!
    
    Margot ist nicht nur Ihre Tochter, sondern auch Ihre Freundin
geworden.
    
    Maria Hellwig: Man hat heute in unserer schnelllebigen Zeit keine
Muße mehr, Freundschaften zu pflegen. Man ist ständig unterwegs, also
entfällt auch eine Freundin, der man alles anvertrauen kann. Das ist
Margot geworden, die sich jetzt alles anhören muss ...
    
    Margot Hellwig: Mami ist aber nicht nur Freundin, sondern für mich
auch Vorbild, weil sie sich durch schwere Schicksalsschläge nicht hat
unterkriegen lassen. Sie hat nie gesagt, warum ist gerade mir das
passiert, sondern hat immer wieder mit Elan von vorne angefangen.
Meine Mutter ist voller Lebensfreude. Sie ist kein Luxusweib. Sie
braucht keine Pelze oder keinen Schmuck. Sie kann sich freuen, wenn
die Sonne scheint oder die Vögel im Garten zwitschern. Sie ist aktiv,
immer positiv eingestellt, obwohl sie in ihrer Leutseligkeit auch
schon enttäuscht wurde, finanziell wie menschlich. Sie ist kreativ
und voller Zukunftspläne.
    
    Maria Hellwig: Dazu gehört natürlich auch Gesundheit. Ich mache
jeden Tag Yogaübungen und ich lebe gesund. Ich habe nie geraucht oder
getrunken. Gerade wenn man älter wird, muss man auch viel für die
Stimme tun. Ich mache Atemübungen und nehme heute noch
Gesangsunterricht. Man muss an sich arbeiten, wie ein Sportler.
    
    Weil Sie die Gesundheit ansprechen: Sie hatten einen Augeninfarkt,
konnten nicht mehr lesen, schreiben und müssen sich neu
einzustudierende Lieder von Ihrer Tochter oder einem Chormädchen
vorsingen lassen, weil sie keine Noten mehr erkennen können. Wie geht
man damit um?
    
    Maria Hellwig: Es war schrecklich. Eines Tages machte ich die
Augen auf und sah nichts mehr. Wir sind von einem Professor zum
anderen gegangen. Dann stellte sich heraus, dass es ein Augeninfarkt
war, der nicht mal mit Laser zu therapieren war. Anneliese
Rothenberger gab mir die Adresse eines Arztes in der Schweiz. Ich
bekam jeden Tag Spritzen hinter die Augen. Es war unglaublich
schmerzhaft, aber es hat geholfen. Jetzt bin ich in Behandlung bei
einem Arzt in Kufstein. Nach zehn Behandlungen kann ich wieder
schreiben - lesen natürlich nicht. Das schlimmste aber ist, dass ich
die Leute nicht erkenne, nur Umrisse, keine Gesichter.
    
    Sie sind jemand, der in den Konzerten auf die Leute zugeht, sie
direkt anspricht. Wie machen Sie das jetzt?
    
    Maria Hellwig: Es ist wahnsinnig schwierig. Früher habe ich
gesehen, wenn jemand eine Abneigung gegen mich hatte. Das tat
manchmal körperlich weh. Jetzt kann ich das nur fühlen.
Glücklicherweise kommt das nicht so oft vor...
    
    Nach dem Tod Ihres ersten Mannes, der im Krieg gefallen ist, hat
Sie ein weiterer Schicksalsschlag getroffen. Der Tod ihres zweiten
Mannes Addi Hellwig, mit dem Sie fast 50 Jahre zusammengelebt haben.
Wie verkraftet man das?
    
    Maria Hellwig: Anfangs wollte ich auch da unten liegen. Ich hatte
schon meine ganz dunklen Stunden. Ich denke aber, er ist immer bei
uns. Ich führe manchmal Zwiegespräche mit ihm. Ich gehe, wenn ich
hier bin, jeden Tag auf den Friedhof.
    
    Margot Hellwig: Nach drei Monaten habe ich gesagt, zieh' Deine
schwarzen Sachen aus. Du machst Dich traurig und die Menschen auch.
Das hätte der Addi nicht gewollt.
    
    Maria Hellwig: Ich konnte nichts Lustiges singen. Ein Jahr lang
war Trauer im Körper.
    
    Margot Hellwig: Ich bin zum Sklaventreiber geworden, habe immer
wieder versucht sie aufzurichten, was dann auch gelungen ist.
    
    
    Wenn Sie Ihr Leben Revue passieren lassen: Was waren die
Highlights?
    
    Maria Hellwig: Das Zusammensein mit meiner Familie. Dass meine
Tochter einen so tollen Mann bekommen hat. Als meine Enkel kamen, bin
ich total ausgeflippt. Und beruflich, dass ich mein Gesangsstudium
bezahlt bekam. Meine Eltern hätten das nicht finanzieren können. Und
dass ich über zehn Jahre beim ZDF eine eigene Fernsehserie, "Die
Musik kommt", hatte.
    
    Margot Hellwig, bei Ihrer Mutter steht die Familie an erster
Stelle. Ist sie da auch ein Vorbild für Sie?
    
    Margot Hellwig: Ohne Frage. Eigentlich wollte ich Kindergärtnerin
werden. Dann habe ich mir meinen größten Wunsch erfüllt und selbst
zwei Kinder bekommen. Als sie in der Schule waren, bin ich beruflich
kürzer getreten. Keine Musik war so wichtig für mich wie meine
Kinder.
    
    Zurück zu Ihnen, Maria Hellwig. Wenn man 80 wird, was hat man für
Wünsche an die Zukunft?
    
    Maria Hellwig: Mich mit der Familie treffen. Weitersingen, denn
die Bühne ist mein Leben. Auf der Bühne, ohne Playback, live zu
singen, da schlägt die Stunde der Wahrheit. Und auf Tournee gehen.
Denn dann kann ich mit meiner Tochter, die ja nicht in Reit im Winkl
lebt, sondern in München, zusammen sein. Und mein größter Wunsch ist,
Uroma zu werden. Das lässt sich ganz gut an
    
    Letzte Frage. Sie sind beliebt, Sie werden geliebt, Sie sind Kult,
Sie haben auch viele junge Fans. Gibt es dennoch eine
Abschiedstournee von Ihnen?
    
    Maria Hellwig: Nein. ich hasse Abschied. Jeder Abschied tut weh.
Das hat außerdem für Künstler keinen Vorteil, nur für die Manager.
Ich bleibe auf der Bühne, solange ich mich zum Walzer drehen kann und
die Leute mich mögen.
    
ots Originaltext: Bayerischer Rundfunk
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