Amnesty International

Indien
Gewalt gegen Frauen - Täter bleiben meist straffrei / Besonders Frauen aus unteren Kasten werden Opfer von Gewalt
Polizei weigert sich, Vorwürfen nachzugehen

Bitte beachten Sie die Sperrfrist: Dienstag, 8. Mai 2001, 0.01 Uhr MEZ Berlin (ots) - Indische Regierung mitverantwortlich Die indische Regierung verhindert Gewalt gegen Frauen nicht - in einigen Fällen sind Vertreter von Behörden selbst an Misshandlungen beteiligt. Das stellt amnesty international in ihrem heute veröffentlichten Bericht "India: The battle against fear and discrimination - The impact of violence against women in Uttar Pradesh and Rajasthan" fest. Der Bericht zeigt die weite Verbreitung von Misshandlungen und Vergewaltigungen in Uttar Pradesh und Rajasthan. Besonders sind dalit - Unberührbare - und adivasi - Stammesfrauen - betroffen. Wenn sie sich an die Justiz wenden, werden sie häufig abgewiesen. Die Frauen erfahren eine doppelte Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechtes und aufgrund ihrer Kastenzugehörigkeit. "Dieses Jahr hat die indische Regierung zum Jahr der Frauen erklärt. Nun erwarten wir, dass sie ernsthafte Schritte unternimmt, um die Gewalt gegen Frauen im Land zu beenden", erklärt Barbara Lochbihler, Generalsekretärin der deutschen Sektion von amnesty international. Viele Frauen zeigen Übergriffe nicht an, aus Angst, dass ihnen bei der Polizei nicht geglaubt wird oder sie dort gar neuer Gewalt ausgesetzt sind. Laut Frauenrechtlerinnen in der Region werden in Uttar Pradesh nur ca. 5% der Gewalttaten gegen "unberührbare" Frauen angezeigt. Die Polizei unterdrückt oder zerstört in vielen Fällen Beweismaterial, Zeugen ziehen ihre Aussagen nach Einschüchterungen durch den Angeklagten zurück. Die 18jährige Narbada aus dem Udaipur Distrikt in Rajasthan berichtete amnesty international, dass sie im März 2000 von einem Großgrundbesitzer aus der höheren Kaste der Rajput vergewaltigt wurde. Dessen Mutter hörte die Schreie des Opfers, stoppte ihren Sohn aber nicht. Im Gegenteil, später schlug sie Narbada und riet ihr, nicht zur Polizei zu gehen. Als diese die Tat dennoch anzeigte, wurde sie beschimpft und die Polizisten verlangten 500 Rupien (11$) "Gebühr". Erst in der Zentrale des Distrikts nahm ein Beamter ihre Anzeige auf. Bei der medizinischen Untersuchung waren Polizisten anwesend und vor Gericht riet der Staatsanwalt ihr, die Klage zurückzuziehen. Narbada und ihre Familie sind bis heute Verfolgungen von Angehörigen der Rajput-Kaste ausgesetzt. Frauenrechtlerinnen haben einen wichtigen Anteil daran, dass Gewalt gegen Frauen in Indien aufgedeckt wird. Dadurch werden sie oft selbst Opfer von Gewalt. "Menschenrechtsaktivistinnen sind besonders gefährdet. Dabei ist ihnen zu verdanken, dass Gewalt gegen Frauen überhaupt ein öffentliches Thema geworden ist. Die indische Regierung muss unverzüglich ihren Versprechungen messbare Taten folgen lassen und Frauen wirksam vor Gewalt schützen. Dazu muss auf breiter Basis gegen die Diskriminierung von Frauen wegen ihres Geschlechtes und ihrer Kastenzugehörigkeit angegangen werden, denn Diskriminierung ist die Basis von Gewalt und Misshandlungen", so Barbara Lochbihler. In ihrem Bericht deckt amnesty international die Zusammenhänge von Gewalt gegen Frauen aus Randgruppen der indischen Gesellschaft auf. Außerdem wird die Untätigkeit der Justiz beleuchtet, die es besonders schwer macht, dass die Täter strafrechtlich verfolgt werden. ots Originaltext: amnesty international Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Wenn Sie Nachfragen und Interviewwünsche haben oder den Bericht erhalten möchten, wenden Sie sich bitte an: amnesty international Generalsekretariat Sina A. Vogt, Pressesprecherin Tel. + 49 - (0)30 - 420248-608 Fax. + 49 - (0)30 - 420248-630 E-Mail: svogt@amnesty.de Internet: www.amnesty.de oder: amnesty international - Pressestelle - 53108 Bonn + 49 - (0)228 - 98373-360 / - 0 + 49 - (0)228 - 630036 E-Mail: presse@amnesty.de Original-Content von: Amnesty International, übermittelt durch news aktuell

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