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Bundesregierung ignoriert Sklavenarbeit auf Zuckerrohrplantagen
INKOTA kritisiert Erhöhung des Bioethanolanteils an Tankstellen

Berlin (ots) - INKOTA kritisiert den heutigen Kabinettsbeschluss zur Erhöhung des Bioethanolanteils im Benzin. Ab Januar 2011 kann damit an deutschen Tankstellen Benzin mit einem Anteil von zehn Prozent Bioethanol angeboten werden. Bisher war der Beimischungsanteil auf fünf Prozent beschränkt. Bioethanol wird unter anderem aus brasilianischem Zuckerrohr gewonnen. Auf vielen Plantagen müssen die Zuckerrohrschneider unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten. Bislang gibt es kein funktionierendes und transparentes Zertifizierungssystem, das eine Einhaltung von ökologischen und sozialen Standards in der Produktion von Bioethanol garantiert. In der Biomasse-Nachhaltigkeitsverordnung der Bundesregierung fehlen soziale Kriterien wie beispielsweise die Einhaltung von internationalen Arbeitsstandards auf den Plantagen.

"Bei der Ausweitung des Bioethanolanteils nimmt die Bundesregierung in Kauf, dass das Benzin in unseren Tanks unter sklavenähnlichen Bedingungen produziert wird", kritisiert Evelyn Bahn, Projektleiterin Welternährung bei INKOTA. "Die Bundesregierung ignoriert die grausame Lebensrealität tausender Plantagenarbeiter auf den Zuckerrohrplantagen. Solange nicht sichergestellt werden kann, dass soziale und ökologische Standards auf den Plantagen eingehalten werden, muss es einen Import-Stopp von Bioethanol geben."

Knapp die Hälfte des weltweit gehandelten Bioethanols stammt aus Brasilien. Schätzungen gehen davon aus, dass knapp 65 Prozent des nach Deutschland importierten Bioethanols aus Brasilien stammen. Dies macht jährlich etwa 166.000 Tonnen aus. Rund eine Million Menschen arbeiten für Brasiliens Ethanol-Industrie, etwa 400.000 davon sind Zuckerrohrschneider. Sie arbeiten oft unter menschenunwürdigen Bedingungen zu Hungerlöhne bei Akkordarbeit. Die Arbeiter auf den Plantagen stehen immer stärker unter Druck. Während Zuckerrohrschneider in den 80er Jahren noch durchschnittlich sechs Tonnen Zuckerrohr pro Tag ernten mussten, müssen sie heute zwölf Tonnen oder mehr bringen. Sklavenähnliche Arbeitsbedingungen haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Bei Razzien befreiten staatliche Arbeitsinspektoren im Jahr 2005 noch 3.524 Sklavenarbeiter. Im Jahr 2007 stieg diese Zahl auf fast 6.000 Menschen an.

Pro Jahr werden auf den Zuckerrohrplantagen in Brasilien schätzungsweise 20.000 Tonnen Herbizide eingesetzt. Dadurch werden Böden und Wasser enorm belastet, der Anbau in Monokulturen gefährdet die Biodiversität. "Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass es sich bei der Biokraftstoffpolitik der Bundesregierung um eine Klimaschutzpolitik handelt", erklärt Evelyn Bahn.

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Evelyn Bahn, bahn@inkota.de, Tel. 0177-3243408
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