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Kölnische Rundschau: zur OECD-Einkommensstudie

    Köln (ots) - Falsches Bild

    von CLAUDIA LEPPING

    Der wichtigste Satz steht nicht vorn. Aber eine spektakulär anmutende und als solche beworbene Studie will sich ja auch nicht gleich im Vorwort entwerten. Die entscheidende Aussage des OECD-Berichts zur Einkommens- und Armutsentwicklung in Deutschland also vorweg: Der Trend zur ungleicheren Einkommensverteilung ist zu einem vorläufigen Ende gekommen. Darüber dürfen Politik, Arbeitnehmer, Gewerkschaften, Arbeitgeber, Soziologen, Kirchen und Wirtschaftsforscher durchaus erleichtert sein. Dennoch entlastet es die Gestalter des deutschen Arbeitsmarkts nicht von der Verantwortung, dafür zu sorgen, dass sich die positive Entwicklung fortsetzen kann. Ungleichheit und soziale Schieflage entstehen in erster Linie durch Massenarbeitslosigkeit und schlecht bezahlte gute Arbeit. Einerseits kann allein schon Fachkräftemangel dazu führen, dass das Tarifgefüge zumindest nicht in Frage gestellt wird und Arbeitnehmer durchaus bekommen, was sie verdienen. Andererseits sind die Folgen der Finanzmarktkrise auf das Einkommensniveau noch längst nicht zu beziffern. Aber die jüngsten Diskussionen - über die Ursachen prekärer Lebensverhältnisse zum Beispiel - zeigt: Alle beteiligten gesellschaftlichen Gruppen nehmen ihre Handlungsspielräume ernst und bekämpfen Armut. Das dauert, ja. Aber niemand kann unterstellen, die Deutschen hätten sich mit Armutsphänomenen arrangiert. Auch die OECD-Studie hätte die Fortschritte stärker würdigen müssen. Statt dessen entsteht ein Bild, das die Wahrheit nicht abbildet und jene Menschen verunsichert, die sich durch die Weltmarktkrise ohnehin dem Abstieg geweiht fühlen. Und sollte die internationale Empirie doch einmal ihre Arbeitsmethoden hinterfragen, so müsste sie sich unbedingt auf annähernd gleichlautende Kriterien verständigen. Niemandem ist geholfen, wenn Armut unterschiedlich definiert - und dadurch zu Teilen in Frage gestellt wird. Wer soziale Standards vergleicht, muss klar festlegen, ab wann jemand Hilfe verdient.

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