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Deutsche Marine - Pressemeldung (Reportage): Bayerische Marinesoldaten kämpfen auf Bootsmannslehrgang gegen Schnee, Kälte und Übungsgegner - Sie sollen Vorgesetzte werden und umsichtig handeln

Deutsche Marine - Pressemeldung (Reportage): Bayerische Marinesoldaten kämpfen auf Bootsmannslehrgang gegen Schnee, Kälte und Übungsgegner - Sie sollen Vorgesetzte werden und umsichtig handeln
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Glücksburg (ots)

Plön / Boostedt / Hohensasel - Kalt ist es Ende Februar auf dem 
Standortübungsplatz in Boostedt bei Neumünster. Einen ganzen Tag und 
eine ganze Nacht verbringen die Soldaten der 1. Inspektion der 
Marineunteroffizierschule (MUS) aus Plön schon bei bis zu minus acht 
Grad unter freiem Himmel. In dieser Nacht gar unter sternenklarem 
Himmel. Das fördert eisige Temperaturen. Es hat in den vergangenen 
Tagen sogar geschneit. Der weiße Schnee bedeckt Wiesen, Wald und 
Felder. Immerhin: Der Vollmond spendet ausreichend Licht auf dem 
Biwakplatz - auf dem die Soldaten ihre Bundeswehr-Zwei-Mann-Zelte aus
fleckgetarntem Zeltstoff errichtet haben. Die Zelte sind mit Stroh 
ausgefüllt - das soll isolieren. Zusammen mit der Körpertemperatur 
von zwei Soldaten im nur zweieinhalb Quadratmeter großen Zelt sorgt 
dies im Vergleich zur Außentemperatur für eine gewisse gefühlte 
Wärme. Tatsächlich haben die meisten der 53 Marinesoldaten an den 
Lagerfeuern ihrer Hörsäle die Nacht verbracht. "Leider haben wir 
diese Nacht vier Ausfälle gehabt", sagt Kapitänleutnant Thomas 
Schwarz. Er ist Leiter von Hörsaal 11 und stellvertretender 
Inspektionschef - trägt deshalb auf dem Standortübungsplatz, 42,8 
Kilometer von seiner Plöner Inspektion entfernt, die Verantwortung 
für die Ausbildung seiner Männer und Frauen.
Mineralwasser in Flaschen eingefroren
Auch Schwarz schützt sich vor der eisigen Kälte kurz vor sieben 
Uhr an diesem Donnerstagmorgen. Dazu haben die Marineausbilder die 
Kleidervorschriften der Bundeswehr über Bord geworfen. "Getragen 
werden darf hier alles, was warm hält", sagt Schwarz. Der 
Inspektionsfeldwebel - allgemein als Spieß bekannt - hat 
zwischenzeitlich das Frühstück aus Plön mit einem Kleintransporter 
herangebracht. Die Soldaten stehen diszipliniert in einer 20 Meter 
langen Schlange vor der Essensausgabe in freier Natur. Viele tragen 
schwarze Wollmützen, Pullover und dicke Plüschhandschuhe - 
selbstbeschafft, aber einheitlich innerhalb ihres Hörsaals. So viel 
Ordnung muss in der Bundeswehr dann doch sein. Die Soldaten wollen 
vor allem eins: heißen Kaffee oder Tee. In der Nacht ist der Inhalt 
zahlreicher Mineralwasserflaschen eingefroren. Das Frühstück darf in 
einem beheizten Raum der Standortschießanlage eingenommen werden. Und
es folgt der Tagestipp von Schwarz: "Ziehen Sie hier drinnen die 
warmen Sachen aus, sonst frieren Sie nachher draußen umso mehr." Die 
meisten Soldaten befolgen den Rat des erfahrenen Fachoffiziers. 
Langsam und mit wenig Lust streifen sie Mützen, Handschuhe und Jacken
ab, hängen sie über die Stuhllehnen der Holzstühle, auf denen sie an 
kahlen weißen Tischen sitzen. Die Luft ist raus bei den meisten 
Bootsmannsanwärtern - nach so einer Nacht verständlich.
Marinesoldaten stehen auch am Hindukusch in Afghanistan
An der MUS in Plön werden seit 1960 die Unteroffiziere der Marine 
ausgebildet - bei der kleinsten Teilstreitkraft der Bundeswehr heißen
sie Maat, Obermaat und Bootsmann. Bei Heer und Luftwaffe nennen sich 
diese Dienstgrade Unteroffizier, Stabsunteroffizier und Feldwebel. 
Die Unterführerausbildung für die Unteroffiziere der Bundeswehr wurde
in den vergangenen Jahren weitgehend standardisiert - für alle 
Teilstreitkräfte einheitlich angepasst. Dies ist auch notwendig, weil
inzwischen Soldaten aller Teilstreitkräfte in jeden Einsatz der 
Bundeswehr entsandt werden können. Marinesoldaten stehen genauso am 
Hindukusch in Afghanistan wie in Dschibuti am Horn von Afrika. Und 
deshalb nimmt die sogenannte einsatzvorbereitende Ausbildung für 
Konfliktverhütung und Krisenbewältigung (EAKK) in der vier Monate 
dauernden Bootsmannsausbildung erheblichen Platz ein. Die Soldaten 
sollen sich als Vorgesetzte eines Trupps, einer Gruppe oder eines 
Zuges richtig verhalten, ihre untergebenen Soldaten motivieren und 
vor allem richtig führen können. Die Unteroffiziere sollen ihre 
Männer und Frauen heil durch die oft gefährlichen Einsätze bringen. 
Der Kommandeur der Marineunteroffizierschule, Kapitän zur See 
Heinrich Liebig, sagt: "Wir zeigen den Männern und Frauen, was es 
heißt, Verantwortung für andere Menschen und für Material zu tragen; 
sich überhaupt für andere Menschen verantwortlich zu fühlen - und das
nicht nur dienstlich, sondern auch im gesamten sozialen Umfeld." Auf 
den Lehrgängen an der MUS werden die künftigen Vorgesetzten der 
Marine an ihre Leistungsgrenzen gebracht. Sie müssen in 
Stresssituationen umsichtig reagieren, dabei nicht an sich, sondern 
für und an die ganze Gruppe denken - dürfen dabei an der gestellten 
Aufgabe nicht zerbrechen. Deshalb werden die Lehrgangsteilnehmer 
während der Aufgaben - bei der Bundeswehr heißt das Lagen - als 
Gruppen- oder Zugführer von den Ausbildern bewertet.
Wer ausfällt, wird gegebenenfalls nachgeprüft
Nach dem Frühstück auf dem Standortübungsplatz in Boostedt haben 
die Soldaten der 1. Inspektion augenscheinlich wieder Kraft 
gesammelt. Es werden erste Witze erzählt, es wird gelacht. Die 
Gesichter hellen auf. Die vier Soldaten mit sogenannten 
Ausfallerscheinungen, wie es im Bundeswehrjargon heißt, werden vom 
Inspektionsfeldwebel mit nach Plön genommen. Sie sollen dort in den 
Sanitätsbereich gehen, um sich ihre Erkältungskrankheiten 
beziehungsweise die offenen Blasen an den Füßen behandeln zu lassen. 
So sollen sie möglichst schnell wieder dienstfähig werden. Fehltage 
können sich die Lehrgangsteilnehmer nicht viele leisten. Der 
Bootsmannslehrgang an der MUS ist nämlich allgemeinmilitärischer 
Laufbahnlehrgang. Das heißt, er ist Voraussetzung für die Beförderung
zum Bootsmann und somit Grundlage für eine langjährige Dienstzeit in 
der Marine. Wer Bootsmann werden will, muss sich zuvor auf acht oder 
zwölf Jahre bei der Marine verpflichten. Was bedeutet die vorzeitige 
Rückfahrt nach Plön nun für diese vier Soldaten? "Das entscheiden wir
im Einzelfall", sagt Kapitänleutnant Schwarz, "das hängt davon ab, ob
der einzelne Soldat bereits seine Führungsleistung erbracht hat. Wenn
Nachholbedarf besteht, gibt es gegebenenfalls eine Nachprüfung in der
Kaserne."
Im Team bringt jeder seine Fähigkeiten ein.
Unter den nur noch 49 Lehrgangsteilnehmern in Boostedt ist 
Obermaat Andreas Güldner. Er ist Angehöriger des Hörsaals 12 - dem 
zweiten Hörsaal der 1. Inspektion. Der 22-Jährige ist amtierender 
Deutscher Meister im sogenannten Apnoetauchen - dem Freitauchen ohne 
Schlitten. 71 Meter ist er im vergangenen Sommer an einer Leine im 
Roten Meer tief getaucht. Bei der Marine ist er seit zweieinhalb 
Jahren Minentaucher. Deshalb ist Güldner körperlich fit. Ihm macht 
das Leben im Felde bei Eiseskälte nichts aus - zumindest beißt er die
Zähne zusammen und lässt sich nichts anmerken. Er sagt während eines 
Fußmarsches durch knöcheltiefen Schnee: "Als Minentaucher bin ich an 
der MUS körperlich schon im Vorteil." Doch er bringt noch andere 
Vorkenntnisse mit, mit denen er während der militärischen Ausbildung 
glänzen kann. Der Mann aus Gräfenberg bei Nürnberg trägt das 
Funkgerät seiner Gruppe. Er beherrscht diese Technik im Schlaf - als 
Minentaucher hat er ständig mit unterschiedlicher 
Kommunikationstechnik zu tun. Güldner hilft gern, wo er nur kann. Das
ist für ihn auch Kameradschaftspflicht - ganz selbstverständlich ist 
das für ihn. Und die wird an der Marineunteroffizierschule in jeder 
Hinsicht gefördert und abverlangt. Denn an der MUS gilt es in allen 
Lagen als Gruppe zu bestehen. Kommandeur Liebig sagt: "Bei uns 
erfahren die Soldaten, dass sie im Team mehr schaffen, als wenn sie 
alleine sind." Das ist die Philosophie der Marineschule am Großen 
Plöner See. Deshalb ist es von den Ausbildern gewollt, dass jeder 
seine Fähigkeiten einbringt, dass sich alle Soldaten gegenseitig 
unterstützen. Denn das ist Realität in den Einsätzen der Bundeswehr.
Versorgungssoldatin als militärische Zugführerin
Zugführerin ist gerade eine junge Frau mit kurzem dunkelblonden 
Pferdeschwanz unterm Gefechtshelm. Frau Obermaat - bei der Bundeswehr
gibt es keine weiblichen Dienstgradbezeichnungen - hat Sommersprossen
im Gesicht, wirkt deshalb jugendlich und frisch. Sie sagt: "Ich bin 
Versorgungsunteroffizier, sitze eigentlich viel am Schreibtisch. 
Deshalb ist es gut, dass in den Hörsälen der MUS Soldaten 
unterschiedlicher Verwendungen zusammen sind. Da gleichen sich die 
Fähigkeiten und Vorkenntnisse aus. Jeder bringt so etwas in die 
Gruppe ein, was allen nützt." Hörsaal 12 - während der Übung heißt er
zweiter Zug - kommt jetzt an die nächste Ausbildungsstation. Jetzt 
steht Frau Obermaat im Fokus der Ausbilder. Jetzt beginnt ihre 
praktische Lehrprobe. Jetzt kommt es für sie darauf an, einen guten 
Eindruck zu machen - als Soldatin und als Vorgesetzte. Der Auftrag: 
Die Soldaten sollen schweres Material aus einem Waldstück zur 200 
Meter entfernten Straße schaffen. Dort soll die Besatzung eines 
vorbeikommenden Bundeswehr-Lkw davon überzeugt werden, das Material 
weiter zu transportieren. Wenn das nicht gelingt, müssen die elf 
Soldaten des zweiten Zugs alles selbst bis zur nächsten Station 
schleppen, so die Lage des Ausbilders, eines Oberfähnrichs zur See.
Angriff auf den Zug
Die Zugführerin berät sich mit ihren beiden Gruppenführern. Die 
geben wichtige Tipps: Ist die Minenlage geklärt? Ist das Gelände 
gesichert? Ist genug Munition in den Magazinen?  Erste Entscheidung 
der Zugführerin: Eine Kameradin soll den Bundeswehr-Lkw an der Straße
abfangen und zum Material im Waldstück leiten. Es gelingt der 
Soldatin, die unbekannten Kameraden auf dem Lkw um Hilfe zu bitten. 
Der Lkw fährt an das Waldstück heran. Die Soldaten vom zweiten Zug 
tragen das schwere Material zum Lkw. Alles scheint rund zu laufen. 
Die Zugführerin wirkt zufrieden. Plötzlich Gewehrschüsse aus einem 
gegenüberliegenden Waldstück. Menschen mit Waffen greifen an. Rufe 
und Aufgeregtheit im zweiten Zug. Was soll jetzt gemacht werden? Noch
nicht alle Marinesoldaten funktionieren so, wie es ihnen beigebracht 
wurde. Nicht alle gehen automatisch in Deckung und schießen zurück. 
Fast jeder der Soldaten des Zuges erkennt andere Angreifer. Befehle 
und Beobachtungen werden durcheinander gerufen. Die Befehle der 
beiden Gruppenführer widersprechen sich zum Teil. Die Zugführerin 
versucht sich einen eigenen Überblick zu verschaffen, hat sich dazu 
hinter einen großen Baum in Deckung gestellt. Sie nimmt Funkkontakt 
zu ihren zwei Gruppenführern auf, informiert den Gefechtsstand. Der 
Lkw setzt zurück. Bringt sich in Sicherheit. Die Hilfe für den 
Materialtransport ist fort.
Nicht alles gut gelaufen - Note Drei
Der MG-Schütze des Zugs will das Feuer mit seinem Maschinengewehr 
erwidern. Er liegt im Schnee und flucht. Der Patronengurt ist von ihm
in der Eile falsch eingelegt worden. Es geht kein Schuss durch den 
Lauf. Die Angreifer kommen näher. Wertvolle Zeit verstreicht. Jetzt 
endlich rattert das Maschinengewehr. Der Gegner zieht sich zurück. 
Übung beendet. Es folgt die Manöverkritik vom Ausbilder. Der 
Oberfähnrich nimmt Frau Obermaat beiseite, teilt ihr die Note mit. 
Dann spricht der Ausbilder mit dem ganzen Hörsaal 12. Nicht alles sei
gut gelaufen, zu viele unkoordinierte Aktionen, der Lkw hätte 
geschützt werden müssen, so sein Fazit. Betretene Gesichter bei den 
Lehrgangsteilnehmern. Aber es reicht für die Zugführerin. Die Note 
sei eine Drei geworden, sagt sie hinterher. Zufrieden sei sie damit 
nicht. Die Verantwortung für den Zug wechselt für die nächste Lage. 
Andreas Güldner ist jetzt der Chef - übernimmt die Führung. Er teilt 
zwei neue Gruppenführer ein, lässt sich vom Ausbilder die Koordinaten
geben, schaut auf die Karte. Der Zug marschiert los.
Bordfahrer hantiert mit S-Draht-Rollen und errichtet Kfz-Sperren
Ortswechsel zum Standortübungsplatz in Hohensasel - 14 Kilometer 
von Plön entfernt, in der Nähe des Guts Rantzau. Dort wird der 
Seefahrer Robert Reil zum Bootsmann ausgebildet. Er soll nachmittags 
Sperren mit sogenanntem S-Draht anlegen. Zusammen mit seinen 
Kameraden von Hörsaal 23 wird er einen Checkpoint bauen und Fahrzeuge
kontrollieren. Reil ist kürzlich vom Oberstabsgefreiten - das ist der
höchste Mannschaftsdienstgrad der Bundeswehr - zum Maat befördert 
worden. Für den Bayern aus Püchersreuth bei Weiden in der Oberpfalz 
ist dies eine Beförderung, die ihn nicht richtig glücklich macht. 
Vier Jahre lang fuhr der 23-Jährige auf der Fregatte "Bayern", war 
dort Messevorsitzender und Vertrauensperson der 
Mannschaftsdienstgrade. Er sagt: "Meinem jetzigen Dienstgrad sieht 
niemand an, dass ich altgefahren bin. Das ist schade." Doch diese 
Beförderung ist ein wichtiger Schritt auf seiner Karriereleiter. Ab 
Maat ist Reil Vorgesetzter. Der Dienstgrad ist nur eine 
Zwischenstation auf dem Weg zum Dienstgrad Bootsmann. Der Bayer 
nimmt's deshalb gelassen. Er sagt: "Jetzt habe ich eine neue Uniform.
Ich kann endlich Hosen mit Gürtel tragen, habe eine Schirmmütze. Das 
sieht mit der Krawatte viel erwachsener aus. Im Matrosenanzug wirkt 
man nicht so männlich." Doch heute trägt auch er Kampfanzug mit 
Gefechtshelm, hat das Sturmgewehr G 36 auf dem Rücken. Das ist 
ungewohnt für den Seefahrer. "Hier draußen ist es nicht so gemütlich,
wie auf dem Schiff. Mit S-Draht in der freien Natur bei Minusgraden 
zu  hantieren ist schon eine ganz andere Sache, als mit Tampen an 
Bord zu arbeiten." Auf dem Lehrgang an der Marineunteroffizierschule 
bringt ihm seine Vorverwendung als Soldat des seemännischen 
Decksdienstes auch Vorteile. "Im Fach Praktische Seemannschaft (PSM) 
bin ich klar im Vorteil. Das ist dann meine Traumlehrstunde, sage ich
immer." Insgesamt mache ihm die Ausbildung an der MUS Spaß. Schwierig
sei der Bootsmannslehrgang für ihn insgesamt nicht, nur die  
Umstellung vom Bordleben sei ungewohnt gewesen. "Hier sitzen wir viel
im Unterricht, müssen selbst Unterricht halten und sind viel draußen 
und müssen marschieren."
Verletzten bergen strengt an
Marschieren müssen gerade die Kameraden von Hörsaal 12 in 
Boostedt. Rund 20 Kilometer ist der temporäre zweite Zug mittlerweile
an den zwei Tagen gelaufen. Eigentlich nicht sehr viel - doch alles 
unter den Belastungen der ständigen Beobachtung und Bewertung. 
Zugführer Obermaat Güldner kommt mit seinem Zug an eine große 
Waldlichtung heran. Ein Hubschrauber wurde abgeschossen. Grüner Qualm
zeigt die Position. Leuchtmunition am Himmel weist auf den Ernst der 
Lage. Güldner informiert den Gefechtsstand über Funk. Er schickt 
einen Gruppenführer mit drei Soldaten los, um der 
Hubschrauberbesatzung zu helfen. Die laufen 400 Meter durch tiefen 
Schnee, bergen schon leicht erschöpft einen verletzten Soldaten aus 
dem Hubschrauber, versorgen ihn und transportieren ihn ab. Den 
80-Kilo-Mann durch den Schnee zu tragen, strengt sie sichtlich an. 
Dann Schüsse von irgendwo. Der Gruppenführer wird von einem 
Heckenschützen tödlich getroffen, sagt ein Ausbilder. Ein anderer 
Kamerad muss sofort die Führung übernehmen. Alle gehen in Deckung, 
sehen keinen Gegner, bleiben zur Vorsicht im Schnee liegen. Zugführer
Güldner wird über Funk informiert. Er befiehlt der Gruppe, sich zu 
sichern, auf Verstärkung zu warten. Güldner schickt weitere 
Kameraden. "Alles richtig gemacht", sagt der Ausbilder nach Abbruch 
der Übung. Güldner hat als militärischer Führer überzeugt. Note 1,0 
in dieser Übung für ihn.
Soldaten müssen Risiko auf sich nehmen
Güldner freut sich kaum merklich, seine Kameraden nicken ihm 
anerkennend zu. Auf dem Rückmarsch gibt er sich abgeklärt. Er sagt: 
"Die Lagen der Ausbilder sind sehr realistisch angelegt. Wenn ein 
Kamerad in so einer Übung verletzt wird oder stirbt, dann denke ich 
schon darüber nach, wie das im Ernstfall wäre. Doch als Soldat muss 
ich dieses Risiko in Kauf nehmen. Diese Entscheidung hat jeder für 
sich vor der Einstellung treffen müssen." Diese Worte sind nicht 
einfach daher geredet, sind wohl überlegt. Am 24. April 2006 
veränderte ein Selbstmordanschlag sein Leben. Er war auf 
Taucherurlaub in Ägypten. 25 Menschen starben - darunter ein 
deutscher Junge. Mehr als 50 wurden verletzt. Eine Freundin aus der 
Schweiz verlor ein Bein. Güldner selbst blieb unverletzt, weil er 
wenige Minuten zu spät zum Treffpunkt - dem Platz des Anschlags kam. 
"Diese schrecklichen Bilder werde ich nie vergessen", sagt er. 
Deshalb wurde Güldner Minentaucher. Er will Experte für das 
Entschärfen und Beseitigen von Sprengsätzen, Minen und Bomben werden.
Nach dem Bootsmannslehrgang wird Güldner ab Mai dieses Jahres elf 
Monate lang in Aachen zu einem solchen ausgebildet - danach steht die
Beförderung zum Bootsmann an und der weltweite Einsatz als 
Minentaucher. Maat Robert Reil hat auch noch eine weitere Ausbildung 
vor sich. Im Anschluss an die Plöner Zeit geht er an die 
Marinetechnikschule nach Parow bei Stralsund. Dort wird der Bayer zum
Decksmeister ausgebildet - danach wird er wieder zur See fahren 
können. Das ist Reils Berufung. Darauf freut er sich.
Autor: Detlef Struckhof, Presse- und Informationszentrum Marine
Fotos: Detlef Struckhof, Presse- und Informationszentrum Marine
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