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Nach Crash mit Gerhard Schröder: Unfallopfer wird Schmerzensgeld und Verdienstausfall verweigert
AKTE 02 rekonstruiert mit DEKRA den Unfall

    Berlin (ots) - Ein rabenschwarzer Tag für Kurierfahrer Sascha
Wendland: An einer Kreuzung in Berlin-Mitte bremst er ab, als es
plötzlich hinter ihm knallt und er einen kräftigen Aufprall spürt.
Zwei gepanzerte Audi A8 sind auf seinen Mazda aufgefahren: Im ersten
Wagen Kanzler Gerhard Schröder, dahinter ein Begleitfahrzeug. Die
Fahrer steigen aus, wollen Sascha Wendland einen Zettel mit einer
Telefonnummer in die Hand drücken. Doch der ruft die Polizei - nur
der Kanzler mag nicht warten. Erst als der Kurierfahrer hart bleibt,
muss ein Leibwächter das Eintreffen der Beamten abwarten. Nach dem
Unfall wird Wendland von seinem Arzt mehr als drei Wochen
arbeitsunfähig geschrieben. Diagnose: Schleudertrauma.
    
    In den ersten Wochen nach dem Crash scheint alles glatt zu laufen.
Die Reparatur am Mazda wird bezahlt. Doch als der selbständige
Kurierfahrer Verdienstausfall und Schmerzensgeld fordert, stellt sich
das Bundeskanzleramt stur. Vor dem Landgericht Berlin treffen sich
vor wenigen Wochen, im Dezember, die Kontrahenten. Die zuständige
Zivilkammer gibt eindeutig zu verstehen, dass sie die vorgelegten
Beweismittel des Bundeskanzleramtes nicht akzeptieren würde und
schlägt einen Vergleich vor: 1.500 DM für Sascha Wendland. Beide
Seiten stimmen zu.
    
    Kurz vor Ende der Widerspruchsfrist kommt für Sascha Wendland der
Schock: Der Vergleichsvorschlag wird vom Bundeskanzleramt abgelehnt,
der Kurierfahrer bleibt auf seinem Verdienstausfall sitzen. Auch das
Schmerzensgeld wird verweigert. Begründung des Kanzleramtes nach
Auswertung des Unfalldatenschreibers: Der Aufprall erfolgte in
Schrittgeschwindigkeit, ein Schleudertrauma sei damit ausgeschlossen.
Es ist aber bekannt, dass die Daten vom UDS immer mit einer gewissen
Verzögerung aufgezeichnet werden. Zumal der Wagen, der auf den Mazda
aufprallte, noch von hinten angeschoben wurde.
    
    Deshalb hat AKTE 02 gemeinsam mit der DEKRA den Unfallhergang
rekonstruiert: Fazit der Verkehrsexperten: Die
Aufprallgeschwindigkeit auf Sascha Wendlands Wagen muss zwischen 8
und 15 km/h gelegen haben. Weit mehr, als das Bundeskanzleramt bisher
einräumte. An einem Schleudertrauma kann laut
DEKRA-Unfallforschungszentrum bei solch einem Crash nicht mehr
gezweifelt werden. Zumal zwei, jeweils drei Tonnen schwere
Panzerlimousinen, auf den kleinen Mazda aufgefahren sind.
    
    Sascha Wendland will vor Gericht weiter kämpfen - auch, wenn ihm
das alle Ersparnisse kosten wird. Siegt er, so wird das die
Steuerzahler einiges mehr kosten, als der Vergleich, den das
Bundeskanzleramt ausgeschlagen hat.
    
    
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