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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Vorschlag für eine Drei-Tage-Woche für 60-Jährige

Bielefeld (ots) - Gute Idee! Das werden jetzt viele sagen, die sich ihrem 60. Geburtstag nähern. Gut an dem Vorschlag der Gewerkschaft IG BCE ist tatsächlich, das Renteneintrittsalter zu flexibilisieren. Denn warum soll sich der junge 65- oder 66-Jährige, der sich noch fit fühlt, Spaß an seinem Job hat und im Betrieb gebraucht wird, zu Hause wie auf einem Abstellgleis fühlen, während der alt gewordene 60-Jährige sich quält, weil er den Anforderungen an seinem Arbeitsplatz nicht mehr gerecht wird? Gute Ideen fallen freilich immer dann leicht, wenn andere dafür bezahlen sollen. In diesem Fall ist es wieder einmal die Rentenkasse, die, sofern sich Unternehmen und Gewerkschaften tatsächlich darauf einigen, die Lücke zwischen einer Drei- oder Vier-Fünftel-Arbeitswoche und dem vollen Lohnausgleich füllen soll. Auf der gleichen Basis hat schon das alte Modell von Altersteilzeit und Vorruhestand nicht funktioniert und wurde deshalb zurückgenommen. Anders als der Goldesel in dem Grimmschen Märchen »Tischlein deck dich« kann die Rentenkasse nur geben, was sie vorher einnimmt. Da stehen den Deutschen angesichts der demographischen Veränderungen bekanntlich noch schwere Zeiten bevor. Doch statt Rücklagen zu bilden, hat die Große Koalition die Rente mit 63 beschlossen - zu Lasten derer, die jetzt noch jung sind, aber irgendwann auch älter werden und dann nicht bis 80 oder 85 schuften wollen. Man sollte den Vorschlag der Gewerkschaft dennoch nicht gleich in den Mülleimer werfen, nur weil er so schön, wie er sich auf den ersten Blick liest, nicht funktionieren kann. Grundsätzlich spricht aus Sicht der Arbeitgeber und älteren Arbeitnehmer alles für eine Flexibilisierung. Sie könnte möglicherweise sogar mit 60 beginnen - wenn auf der anderen Seite ebenso viele bereit sind, bis 70 oder 71 zu arbeiten, gegebenenfalls natürlich auch nur drei oder vier Tage in der Woche. Dazu aber muss länger Arbeiten attraktiv bleiben, damit bei den Betroffenen gar nicht erst das Gefühl aufkommt, sie alimentierten mit ihrem Fleiß die Freizeit anderer

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