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Westfalen-Blatt: Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) zum Thema Wikileaks:

Bielefeld (ots) - Vertrauen ist die Währung des Lebens. Das gilt im Privaten, in der Finanzwelt, in Politik und Diplomatie. Ohne Vertrauen wird kein ehrliches Wort gesagt, wird kein Geld verliehen, kann kein Kompromiss geschlossen werden. Vertrauen ist Grundlage konstruktiver Kommunikation. Deshalb ist ein verantwortungsvoller Journalismus auch konstitutiv für moderne Mediengesellschaften und ist die Pressefreiheit auch zu Recht, wie das Bundesverfassungsgericht schon vor gut 50 Jahren betont hat, »konstitutiv für unser Staatsgefüge«. In diesem Rahmen sind die Massenveröffentlichungen von Wikileaks zu sehen. Wem nützt es, wenn man weiß, was alle wissen? Etwa, dass Angela Merkel pragmatisch und wenig kreativ oder dass Horst Seehofer unberechenbar sei? Entwicklungsminister Dirk Niebel hatte die richtige Reaktion auf die »Meldung«, dass er eine »schräge Wahl« sein. Er zuckte die Achseln und meinte mit einem gesunden Schuss Ironie, er selber teile diese Einschätzung nicht. Außerdem halte er diese Meldung für unbedeutend. Viel wichtiger und gefährlicher sei das Thema Datensicherheit. Niebel berührt hier eine Schwachstelle der Mediengesellschaft. Die Tatsache, dass jeder heute alles ins Netz stellen kann, öffnet dem Missbrauch mit Informationen nicht nur Tür und Tor, sondern die Welt. Genau das ist mit den Informationen von Wikileaks geschehen. »Von allen Gütern dieser Welt ist der gute Ruf das wichtigste«, sagte schon Franz von Sales, einer der Patrone der Journalisten. Die Persönlichkeitsrechte sind tabu, hieß das früher. Das persönliche Verhalten und Krankheiten eines Politikers sind für die Öffentlichkeit ohne Belang, solange sie nicht das Allgemeinwohl beeinträchtigen. Es gehört zu den Eigenheiten von Ideologen und Diktaturen, gerade den guten Ruf von Menschen anzugreifen und zu vernichten. Niebels »schräge Wahl« war eine von 1700 »Informationen« aus Berlin. Schon möglich, dass sich darunter auch die eine oder andere findet, die für die Öffentlichkeit eine gewisse Relevanz hat. Diese herauszufiltern, wäre die Aufgabe eines verantwortungsvollen Journalismus gewesen. Alles ins Netz hinauszuposaunen, was man gerade in der Hand hält, hat mit Journalismus nichts mehr zu tun. Wenn es nur noch um Quote, Auflage und Anklicker, also um die kommerzielle Umsetzbarkeit von Informationen geht, dann wird Vertrauen zerstört - und damit ein Stück Glaubwürdigkeit und moderne Zivilisation. Deshalb schafft Wikileaks durch schlechten Journalismus einen Overkill und ist ein indirektes Plädoyer für den klassischen, weil Orientierung schaffenden, die Welt erklärenden Zeitungsjournalismus. Die Wahrheit hat ihr Recht, argumentieren dagegen die Allesveröffentlicher. Das mag sein, aber der gute Ruf auch. Und in der Abwägung liegt die Kunst, nicht im Veröffentlichen um jeden Preis.

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