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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Vergewaltigung auf Ameland

Bielefeld (ots) - Ob mit Worten oder Taten - Brutalität und Gewalt unter Kindern und Jugendlichen hat es schon immer gegeben. Und wie so oft in diesen Fällen fühlen sich diejenigen, die gequält und misshandelt werden, meist sogar noch schuldig. Zu klein, zu groß, zu dick, zu dünn, nicht attraktiv genug - es gibt unzählige Gründe, weshalb Kinder, die in der Pubertät Opfer von Gewaltakten werden, die Schuld bei sich suchen und deshalb das Geschehen ohne Klage hinnehmen. Die Angst davor, von Eltern, Lehrern oder Betreuern noch Hohn und Spott zu ernten statt auf Verständnis zu stoßen, ist groß. Vor diesem Hintergrund lässt sich ansatzweise erahnen, weshalb die missbrauchten Jungen der Freizeit auf Ameland nicht bei ihren Eltern angerufen und über die unfassbaren Ereignisse berichtet haben. Es wird vor allem tiefste Scham und das Gefühl der eigenen Wertlosigkeit gewesen sein, die dagegen standen. Doch die Betreuer vor Ort sollen Hinweise auf das schreckliche Geschehen in den späten Abendstunden und Nächten bekommen haben. Ob von den geschundenen Kindern oder Zeugen des Geschehens, ist derzeit nicht bekannt. Auch was genau dem Personal berichtet wurde, ist noch unklar. Das aber spielt keine Rolle. Schon der leiseste Verdacht hätte ausreichen müssen, den Hinweisen auf den Grund zu gehen. Angesichts der Schlagzeilen über sexuelle Übergriffe in kirchlichen Einrichtungen, Eliteschulen, Sportvereinen und Zeltlagern muss man von Betreuern, in diesem Fall darunter sogar Sozialpädagogen, ein Höchstmaß an Sensibilität erwarten. Jede Minute, die verstreicht, ohne dass jemand eingreift, ist eine zu viel. Was Wegsehen, Verdrängen oder gar Vertuschen nach sich zieht, zeigen nicht nur die oben genannten Fälle, in denen Missbrauchsopfer noch Jahrzehnte nach den Taten traumatisiert sind, weil sie nie über das Geschehen geredet haben. Die dramatisch steigenden Zahl von Selbsttötungen unter Kindern und Jugendlichen aufgrund des so genannten Cyber Mobbings - Beschimpfungen, Verleumdungen und Beleidigungen im Internet - sind nur ein weiterer Beleg dafür, was Brutalität unter den Heranwachsenden anrichten kann. Diejenigen, die solcher Gewalt, einerlei ob physisch oder psychisch, ausgesetzt sind oder waren, benötigen fachkundige Hilfe. Doch auch Eltern können helfen. Sie sind in der Lage, ihre verzweifelten Sprößlinge stark zu machen, ihnen Kraft zu geben, um mit den Geschehnissen fertig zu werden. Wer als Angehöriger, wie im Fall der Ameland-Opfer, um die Gewaltattacken weiß, hat es da noch relativ einfach, das Geschehene, wenn notwendig auch mit professioneller Hilfe, gemeinsam mit den Kindern zu verarbeiten. Weitaus schlimmer ist es für Betroffene, wenn die Taten im Dunkeln bleiben und die Selbstvorwürfe in einer scheinbaren Ausweglosigkeit enden.

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