BGA Bundesverb. Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V.

BGA: Wirtschaftskrise fordert Unternehmen und Politik

    Berlin (ots) - Einbruch in Großhandel und Volkswirtschaft

    "In der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise unterstützen wir Initiativen, die ein weiteres Abrutschen auf dem abschüssigen Konjunkturterrain verhindern. Signale für Stabilität und Vertrauen an den Finanzmärkten wie den Gütermärkten sind richtig und notwendig." Dies erklärt Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), heute in Berlin anlässlich der Vorstellung der aktuellen Unternehmensbefragung des Verbandes. Durch das Wegbrechen gleich zweier tragender Säulen, dem Auslandsgeschäft sowie der Investitionsgüternachfrage, wird sich der Großhandel im laufenden Jahr voraussichtlich leicht schlechter entwickeln als die Gesamtwirtschaftsleistung. Die unternehmensnahen Dienstleistungen sind ähnlich stark betroffen wie der Investitionsgüter¬bereich. Der BGA erwartet im Großhandel ein realen Umsatzrückgang von minus drei Prozent und ein nominales Minus von vier Prozent auf 828 Milliarden Euro. Dies führt in der Folge zu einem Rückgang des BIP um 2,5 bis drei Prozent. Das ist ein schmerzhafter Einbruch, womit die Wirtschaft in etwa auf dem Stand von Sommer 2007 zurückfällt. Die Finanzkrise hat auch den Großhandel spürbar erfasst. Die Unternehmer sind so skeptisch wie nie zuvor und sehen noch keine Trendumkehr. Der Großhandels-Indikator und seine Komponenten stürzen ab. Der Indikator ist von 107,1 auf nur noch 83,7 Punkte um 22 Prozent eingebrochen. Die aktuelle Geschäftslage ist von 110,6 auf 96,7 Punkte um mehr als 12 Prozent abgesackt. Die zukünftige Geschäftserwartung ist von 103,6 auf 70,7 Punkte um 32 Prozent weg gebrochen. Die Unternehmen rechnen mit Einbrüchen bei den Umsätzen und Erträgen; Kapazitätsauslastung und Auftragseingänge sinken. Auch das Investitionsklima hat sich im Großhandel deutlich eingetrübt. Zwei von drei Unternehmen rechnen mit einer Verschlechterung. Der BGA geht daher davon aus, dass in der Branche rund 10.000 der im vergangenen Jahren geschaffen 15.000 Stellen wieder entfallen. Eine Finanzklemme im Zuge der Finanzkrise ist im Großhandel bislang nicht zu erkennen. Bei vier von fünf Unternehmen hat sich das Kreditverhalten der Hausbank nicht verändert. Allerdings haben sich für jedes siebte Unternehmen Kredite verteuert. Auch wenn immer noch drei von fünf Unternehmen keine Veränderung ihrer  Finanzkonditionen im ersten Halbjahr 2009 befürchten, sieht sich jedes fünfte Unternehmen mit teueren Krediten konfrontiert und von fast jedem dritten Unternehmen werden höhere Sicherheiten gefordert. "Die Versorgung der Wirtschaft, gerade des Mittelstandes, mit finanzierbaren Krediten muss gewährleistet werden. Die Gefahr einer Finanzklemme ist trotz der bisherigen Maßnahmen keineswegs gebannt", warnt Börner, sie dürfte sich in den nächsten Monaten eher massiv verschärfen: "Deshalb gibt es nur die Wahl zwischen Pest oder Cholera. Ich plädiere für ein Ende mit Schrecken - siehe Schweden und seine Erfahrung mit einer 'Bad Bank' - anstelle eines Schreckens ohne Ende. Der Großhandel, der für rund 360 Milliarden Euro bei der deutschen Industrie einkauft und rund 80 Milliarden Euro an Krediten im deutschen Handwerk stehen hat, steht und fällt mit der Refinanzierung und mit ihm die Industrie und das Handwerk", erklärt Börner. Wirtschaftspolitisch solle der Verbesserung der allgemeinen Rahmenbedingungen Vorrang eingeräumt werden, die auch längerfristig positive Wirkung entfalten können. Diese Auffassung unterstützen in der aktuellen BGA-Umfrage die Unternehmen mit einer klaren Zustimmung von fast 60 Prozent. Dagegen finden Hilfsmaßnahmen für einzelne Branchen, wie er mit dem ersten Konjunkturpaket eingeschlagen wurde, mit nur 17 Prozent kaum Rückhalt bei den Unternehmen. Insbesondere wird die zeitlich befristete Freistellung von der Kfz-Steuer für Neuwagen mit einer Zustimmung von nur sechs Prozent bei den befragten Unternehmern als ungeeignet angesehen. Um die Verbraucher spürbar zu stärken, spricht sich vordringlich eine klare Mehrheit der Befragten - also nicht nur West, sondern auch Ost -für eine Abschaffung des Solidaritätszuschlags aus. Ergänzend bedürfe es der Entschärfung von Zinsschranke und der Hinzurechnung gewerbesteuerlichen Finanzierungskosten. Zugleich hält der BGA-Chef die Verankerung einer Schuldenbremse für notwendig: "Die außergewöhnliche Situation verlangt außergewöhnliche Maßnahmen, die bei Wiederanspringen der Konjunktur konsequent zurückgefahren werden müssen." "Wir können es schaffen, die Wende zum Besseren einzuleiten! Die deutsche Volkswirtschaft ist im Kern strukturell gut aufgestellt. Die Steigerung der Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit, gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter haben den Aufschwung in den vergangenen drei Jahren getragen. Die beste Sozialpolitik ist, das System zu stabilisieren", so Börner abschließend.

    4, Berlin, 21. Januar 2009

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