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Neue Westfälische (Bielefeld): Donald Trump als Präsidentschaftskandidat Wut im Maschinenraum Dirk Hautkapp, Washington

Bielefeld (ots) - Donald Trump kann der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden. Das ist keine schlechte Ausgabe einer überdrehten Fernsehserie. Was niemand von durchschnittlichem Urteilsvermögen vor einem Jahr für möglich gehalten hätte, ist eingetreten. Ein bekennender Rassist, Staatsverächter, Frauen-Beleidiger, Narziss und Radikalpopulist greift nach der Kandidatur für das höchste Staatsamt der militärisch und politisch immer noch am meisten Bruttoregistertonnen verdrängenden Macht der Erde. Weil sein ärgster Widersacher, der pseudo-religiös verstrahlte Beckmesser Ted Cruz, nach seiner Niederlage in Indiana das Handtuch warf, hat sich auch die letzte Chance gegen Trump - eine Kampfabstimmung auf dem Parteitag in Cleveland, aus der eine gemäßigte Alternative hervorgeht - so gut wie in Luft aufgelöst. Für die Eliten in Politik, Wirtschaft und Meinungsforschung ist dieser Zwischenstand der Offenbarungseid. Amerikas Kommandobrücken können nicht mehr lesen, was sich unten im Maschinenraum abspielt. Die Wut, die dort seit Jahrzehnten gärt über ein System, das den amerikanischen Traum von Teilhabe und Aufstiegsmöglichkeiten für alle zu Schanden geritten hat, hat nun ihr bis in die getönten Haarspitzen hässliches Ventil gefunden. Staatspolitische Verantwortung sieht anders aus. Aber so ist nicht nur in Amerika der von der Globalisierung überforderte Souverän, wenn man ihn konstant für dumm verkauft. Oder einer medialen Gehirnwäsche aussetzt, die - von links wie rechts - den Tatbestand fast permanenter Faktenverdrehung und Hetze erfüllt. Ob sich Amerika mit Donald Trump am 8. November ins Knie schießen oder in letzter Sekunde auf die wenig beliebte aber berechenbar-bewährte Hillary Clinton einschwenken wird, hängt davon ab, ob die unheilvolle Dynamik gestoppt werden kann, die den Außenseiter Trump bisher von Sieg zu Sieg getragen hat. Sicher, bei vielen Frauen, Latinos, Schwarzen, Menschen mit Universitätsabschluss und solchen, die Amerika und den Rest der komplizierten Welt nicht nur vom Hochsitz in ihrem Hinterwald aus kennen, ist der Milliardär unrettbar in Ungnade gefallen. Auch in seiner eigenen Partei geht eine kleine Resistance auf die Barrikaden, die sich lieber Hillary Clinton ins Schwert wirft als Trump ins Amt zu hieven. Aber was bedeuten schon diese Momentaufnahmen angesichts eines Kandidaten, der die Regeln des Gewerbes seit Monaten immer wieder außer Kraft setzt. Trump, der ruchlose Tabubrecher vom Dienst, ist ab sofort eine ernste Gefahr. Für die Demokratie in Amerika. Und die ganze Welt.

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