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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Homo-Ehe in Irland Scheuklappen ablegen Alexandra Jacobson, Berlin

Bielefeld (ots) - Es verdient Respekt, dass sich die erzkonservative katholische Republik Irland zu einem Hort des gesellschaftlichen Fortschritts gewandelt hat. Das irische Volk hat überraschend deutlich für die Homo-Ehe gestimmt. Das liegt sicherlich auch daran, dass die katholische Kirche wegen der Missbrauchsskandale in Irland an moralischer Autorität verloren hat. Deutschland schaut und staunt. Hierzulande gibt es die eingetragene Lebenspartnerschaft, aber keine Ehe für schwule oder lesbische Paare. Die Gleichstellung kommt nur scheibchenweise und meistens in Form von Verfassungsgerichtsurteilen voran. Noch fehlt sie im 
Adoptionsrecht. Heute stellt Bundesjustizminister Maas ein Gesetz vor, das wie eine Karikatur der irischen Gleichstellung wirkt: Es geht unter anderem um Schrebergärten. Wenn ein Ehegatte stirbt, besteht das Recht zur Nutzung des Gartens weiter - das soll künftig auch für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften gelten. Aus Irland kommt der große Wurf, und in Deutschland begnügt man sich weiterhin mit Klein-Klein. Eine völlige Gleichstellung scheitert bislang an der Union. Angela Merkel hat sich im Wahlkampf 2013 gegen die Homo-Ehe ausgesprochen. "Ich tue mich schwer mit der kompletten Gleichstellung", sagte sie. Dabei hat sie sonst in puncto Modernisierung der CDU immer wieder einiges zugetraut: Kinder dürfen in die Krippe und Mütter berufstätig sein, der Islam gehört zu Deutschland, und das Verteidigungsministerium wird von einer Frau geführt. Warum Merkel nun gerade mit dem Nein zur Homo-Ehe dem konservativen Teil in ihrer Partei einen Triumph gönnen wollte, ist vielleicht eher willkürlich gesetzt als Ausdruck einer tieferen Überzeugung. Gewiss, Bayern ist katholisch und ländlich, aber das ist Irland auch. Und das sind auch Spanien und Argentinien, wo es die Homo-Ehe ebenfalls gibt. Natürlich sollte die Ehe für Homosexuelle mit allen dazu gehörenden Rechten und Pflichten in Deutschland erlaubt sein. Es gibt keine rationalen Argumente dagegen - wenn irische Katholiken das so sehen, sollte man die Hoffnung nicht aufgeben, dass auch CDU und CSU eines Tages ihre Scheuklappen ablegen.

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