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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Annäherung zwischen USA und Kuba Der Anfang ist gemacht Dirk Hautkapp

Bielefeld (ots) - Der Sozialdemokrat Egon Bahr wird sich am Wochenende vielleicht ein Gläschen Havanna Club geleistet haben. Wandel durch Annäherung, Willy Brandts (und Bahrs) Credo in der deutschen Ostpolitik der 70er Jahre hat nun auch in der Karibik Platz gegriffen. Amerika und Kuba haben nach über einem halben Jahrhundert Funkstille und Feindschaft ein neues Kapitel aufgeschlagen. Der historische Handschlag zwischen Barack Obama und Raúl Castro ereignete sich, nach allem, was aus den Verhandlungssälen in Panama-City nach außen drang, in einer versöhnlichen Atmosphäre. Dass ein kubanischer Präsident sein amerikanisches Gegenüber noch einmal als "ehrlichen Mann" charakterisieren würde, mal ehrlich, wer hätte damit gerechnet? Der Anfang ist also gemacht. Aber schon morgen wird das Pathos verflogen sein. Vor beiden Partnern liegen die Mühen der Ebenen. Barack Obamas Vorstoß, so richtig und überfällig er ist, kommt in schweres Fahrwasser. Amerika läuft sich für das Wahljahr 2016 warm. Mindestens zwei republikanische Präsidentschaftskandidaten - Ted Cruz und Marco Rubio - haben kubanische Wurzeln. Nicht nur sie werden nach Kräften Wasser in den Mojito schütten. Sprich: jeden Dissidenten, der in Kuba drangsaliert wird, nach wie vor als Beleg für die Unreformierbarkeit der Geronto-Sozialisten anführen. Außerdem: Ohne den Kongress in Washington kann Obama das Wirtschaftsembargo nicht beenden, das Kuba ökonomisch knebelt. Auf der anderen Seite wird die Garde der alten Männer in Havanna peinlich genau darauf achten, im Zuge der eingeläuteten Annäherung nicht die Zügel aus der Hand zu verlieren. Aus ihrer Sicht bedeutet das Ende der Eiszeit nicht, dass man sich sofort gemeinsam mit den "Imperialisten" am Strand die Sonnenmilch teilt. Der Weg der Normalisierung ist also mit vielen Stolperfallen versehen. Trotzdem ist er alternativlos. Das junge Kuba ist es leid, wie ein Dritte-Welt-Land behandelt zu werden. Obama kann nicht tatenlos zusehen, dass Chinesen und Russen aus dem Hinterhof der USA einen Dauercampingplatz für ihre Interessen machen. 

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