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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Flugzeugkatastrophe Schwacher Trost Jörg Rinne

Bielefeld (ots) - Fassungslosigkeit, Entsetzen, Wut - die Reaktionen auf die dramatische Entwicklung beim Flugzeugabsturz in den französischen Alpen sind nur schwer zu beschreiben. Wer geglaubt hatte, das Schreckenszenario sei nicht zu steigern, sieht sich einer nicht vorstellbaren Situation hilflos ausgeliefert. Die Erkenntnis, dass der Absturz von einem offensichtlich psychisch labilen Co-Piloten absichtlich herbeigeführt wurde, lässt uns in der gemeinsamen Trauer erstarren. Und es bleiben Fragen, auf die wir bislang keine Antworten finden. Wie konnte es Andreas Lubitz verantworten, 149 Menschen mit in den von ihm gewünschten Tod zu reißen? Warum ermöglichen es die Vorschriften, das ein einziger im Cockpit verbliebener Pilot die Tür von innen verriegeln kann? Wie konnte es passieren, dass sein Arbeitgeber die angeschlagene Gesundheit des Piloten übersah? Fragen, die sich in allererster Linie die Angehörigen der Opfer stellen - und die Familie und Freunde des Piloten. Es ist einfach, jetzt den Stab über Lubitz zu brechen, manch völlig verzweifelte Eltern, Ehemänner und -frauen der Opfer mögen dies vielleicht auch tun. Verständlicherweise haben sie wenig Verständnis für die Lebenskrise des Piloten. Für die Betroffenen wird es Monate, ja Jahre dauern, bis sie die Katastrophe halbwegs verarbeitet haben. Einige werden es vielleicht nie schaffen. Der Absturz der Germanwings-Maschine ist eine Zäsur in ihrem Leben. Die individuelle Aufarbeitung des traurigen Geschehens kann aber jetzt beginnen. Denn die Absturzursache ist nun bekannt. Kein Rätselraten mehr. Keine Spekulationen. Das mag ein Trost sein, wenngleich auch nur ein schwacher.

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