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Neue Westfälische (Bielefeld): Gauck und das Militär In kluger Tradition CARSTEN HEIL

Bielefeld (ots) - Der Bundespräsident hat recht. Und er hat die richtigen Worte gefunden. Die Rolle Deutschlands in der Welt hat sich verändert und wird sich weiter verändern. Entsprechend mehr Verantwortung müssen die Deutschen übernehmen. Das kann bis dahin gehen, dass sie bereit sein müssen, als letztes Mittel auch militärische Macht auszuüben. Natürlich werfen interessierte Kreise von Linken und Grünen Joachim Gauck prompt vor, er wolle Deutschland zu einem Weltpolizisten machen, wenn er fordert, den Einsatz der Bundeswehr im Ausland nicht grundsätzlich auszuschließen. Genau das hat Gauck aber nicht getan. Im Gegenteil. Er hat mit den denkbar zurückhaltendsten Worten am Wochenende zum wiederholten Male sogar mögliche Gründe für militärisches Eingreifen genannt: Konfliktlösungen im Sinne von Unterdrückten auf der Seite internationaler Institutionen; Verbrecher und Despoten stoppen; Einsatz für die Menschenrechte; Lebensschutz für Unschuldige. Damit setzt Gauck sich wohltuend von seinem Vorvorgänger Horst Köhler ab, der ausdrücklich auch wirtschaftliche Interessen Deutschlands einbezogen hatte. Wer eine Bundeswehr nicht für Ziele wie die von Gauck benannten unterhält, sollte sie besser abschaffen. Die Welt ist aber leider nicht so, dass alle Probleme mit netten Gesprächen zu lösen sind. Mörder sind oft nur mit Gewalt zu stoppen. Dass militärische Gewalt immer nur allerletztes Mittel sein kann, versteht sich von selbst. Deutschland ist mit der historischen Verantwortung für seine militaristische Vergangenheit gut umgegangen. Der Einsatz von Militär als Ultima Ratio ist keine Abkehr davon. Vielmehr kann nur solch eine Verantwortung das moralische Fundament für den begrenzten Einsatz militärischer Mittel sein. Die Deutschen wissen, wohin Krieg führt. Aber sie wissen auch, dass das Böse manchmal nur mit Gewalt bekämpft werden kann. Nur mit militärischer Gewalt konnten die Alliierten Europa samt Deutschland "befreien", wie es ein anderer Vorgänger Gaucks ausgedrückt hat - Richard von Weizsäcker. Gauck steht in dessen kluger Tradition.

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