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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Inklusion Kalter Tod des Gymnasiums BERNHARD HÄNEL

Bielefeld (ots) - Das Ziel ist wahrhaftig gut und gerecht. Die erfolgreiche Umsetzung der Inklusion, also des gemeinsamen Lernens behinderter und nichtbehinderter Schüler, aber verdammt schwierig; denn es fehlt an Fachpersonal. Schon vor Beginn der Inklusion fehlten Lehrer für die sieben unterschiedlichen Förderbereiche, emotionale und soziale Entwicklung, geistige Entwicklung, Hören und Kommunikation, körperliche und motorische Entwicklung, Lernen, Sehen sowie Sprache. Jetzt, da Eltern und Schüler einen Rechtsanspruch auf wohnortnahen Unterricht an einer Regelschule haben, muss das Fachpersonal verteilt werden auf diese Schulen. Da kann allenfalls nur stundenweise unterstützt werden. Lehrer des Regelschulsystems können nach den angebotenen kurzen Weiterbildungen nicht leisten, was Sonderpädagogen im Studium und in der Berufspraxis gelernt haben. Reformen, selbst so einschneidende wie die Inklusion, müssen hierzulande weitgehend kostenneutral umgesetzt werden. Die Folgen sind absehbar. Keiner wird zufrieden sein, weil man keinem gerecht wird. Darin liegt der Keim für dauerhaften Zwist, der angesichts des Problems der damit verbundenen politischen Korrektheit äußerst verklemmt ausgetragen werden dürfte. Natürlich ist keine Schulform sakrosankt; auch das Gymnasium nicht, das sich im Gegensatz etwa zur Gesamtschule viele Jahre der Inklusion entzogen hatte. Die, die sich frühzeitig eingebracht haben, können Erfolge vorweisen, weil die Bedingungen besser waren, als Inklusion noch nicht die Regel war. Keinen Gefallen tut sich die Landesregierung, wenn sie den Gymnasien Schüler aufzwingt, die einem zielgleichen Unterricht nicht folgen können. Zieldifferente Inklusion, also Unterricht für Schüler, die das Ziel der Schulform nicht erreichen können, führt zum schleichenden kalten Tod der Schulform. Am meisten aber leiden die förderbedürftigen Schüler.

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