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Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTARE Debatte über Zuwanderungsstopp Befremdliche Performance NICOLE HILLE-PRIEBE

Bielefeld (ots) - Wenn jeder Deutsche eine Stunde in der Woche länger arbeite, brauche man die ausländischen Arbeitskräfte nicht - diese Worte stammen nicht etwa von Thilo Sarrazin oder Horst Seehofer, sondern von Ludwig Erhard. Als Bundeskanzler sorgte er so während der Wirtschaftskrise 1966/67 für Schlagzeilen. Damals zog die NPD gleich in sieben Landtage ein, 1968 holte die rechtsradikale Partei in Baden-Württemberg sogar fast zehn Prozent der Stimmen. Am 23. November 1973 verhängte die sozial-liberale Regierung einen Anwerbestopp für ausländische Arbeitskräfte. Die Inflationsrate war auf sieben Prozent gestiegen, die Ölkrise hatte auch die Arbeitslosenzahlen in die Höhe getrieben. Glaubt man den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, steht Deutschland wieder kurz vor der Vollbeschäftigung. Glaubt man den Prognosen eines Hans-Werner Sinn, befindet sich die deutsche Wirtschaft auf einem historischem Höhenflug. Glaubt man den Zahlen des statistischen Bundesamtes, ist die Zuwanderung nach Deutschland seit zwei Jahren konstant, nachdem sie von 2001 bis 2006 kontinuierlich zurückgegangen war. Eigentlich ist das keine Zeit für Sündenböcke - es sei denn, man ist Politiker und will die Zuwanderungsdebatte für die politische Performance nutzen. Erst waren es zu viele Gastarbeiter, dann Asylberwerber, schließlich Aussiedler und jetzt wieder Muslime. Haben wir denn in den vergangenen 60 Jahren nichts gelernt? Deutschland leidet weniger unter seinen Ausländern als an seinem eigenen mangelhaften Integrationsverständnis. Unser Nachholbedarf als Einwanderungsland hätte seit Jahren mit erheblichen Anstrengungen in den Bereichen Bildung und Stadtteilpolitik verbunden sein müssen, doch die sind unter jeder Regierung ausgeblieben. Und in einem Land, in dem er nicht erwünscht ist, bleibt der Fremde sein Leben lang fremd.

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