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Neue Westfälische (Bielefeld): Vollbeschäftigung ist absehbar Nicht um jeden Preis PETER STUCKHARD

Bielefeld (ots) - Klar lässt sich Vollbeschäftigung leicht herstellen. Man muss nur, werden die neoliberalen Theoretiker nicht müde zu erklären, die Löhne so weit spreizen, bis sich das Arbeitsmarkt-Gleichgewicht einstellt. Das Ergebnis zeigt ein berühmtes Straßenfoto aus den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts. Es zeigt einen gutgekleideten Herrn, der sich ein Schild um den Hals gehängt hat mit dem Text: "Suche Arbeit jeder Art!" Die schöne neoliberale Theoriewelt ist aber nicht die Welt des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Bestimmte Vertreter der Wirtschaft scheinen immer wieder zu vergessen, dass Deutschland ein sozialer Rechtsstaat ist, dass unser Modell die soziale Marktwirtschaft ist. So werden dann zum Beispiel fröhlich Mindestlöhne mit dem Argument abgelehnt, sie verhinderten Vollbeschäftigung, wenn sie über dem Gleichgewichtslohn liegen, und seien unnötig, wenn sie darunter liegen. Dass Arbeitnehmer im Niedrigstlohnsektor von solchen Gleichgewichtslöhnen schlichtweg nicht leben, geschweige denn etwas für ihr Alter zurücklegen können, ist dann natürlich egal. Gegen die aufstockende Sozialhilfe, die in der realen Arbeitswelt einen Niedriglohnsektor überhaupt erst ermöglicht, hat man natürlich keine Einwände. Da darf der Staat dann gerne etwas reparieren. Vor diesem Hintergrund sind die Nachrichten über ein mögliches Jobwunder doppelt erfreulich: Übersteigt die Arbeitskraftnachfrage das Angebot, hat sich die Mindestlohnproblematik erledigt. Was bleibt, ist ein Problem, das nicht leicht zu lösen sein wird: Der Arbeitsmarkt wird im industriellen Kern besonders qualifizierte Arbeitnehmer nachfragen. Diese auszubilden ist jede Anstrengung wert. Ausbildung stößt aber an Grenzen: Intelligenz ist ein Geschenk der Natur. Wir brauchen auch Lösungen für weniger Qualifizierte.

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