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Ostsee-Zeitung: Bodenpreise im Osten explodieren

Rostock (ots) - Nach Angaben der Bundesregierung stiegen Hektarpreise seit 2004 um 166 Prozent. Grüne verlangen Maßnahmen gegen "schleichende Übernahme" von Landwirtschaftsbetrieben durch kapitalkräftige Investoren.

Rostock - Weil die Preise für landwirtschaftliche Flächen im Osten Deutschlands in den vergangenen zehn Jahren nahezu explodiert sind, drängen die Grünen auf Maßnahmen gegen die "schleichende Übernahme" von Landwirtschaftsbetrieben durch kapitalkräftige Investoren. Wie die Bundesregierung auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Friedrich Ostendorff jetzt mitteilte, stiegen die durchschnittlichen Kaufwerte je Hektar in den vergangenen zehn Jahren um 166 Prozent, auf derzeit 10510 Euro. In Ausnahmefällen wurden bereits Hektarpreise über 30000 Euro erzielt.

Ostendorff hält die dramatischen Preissteigerungen für eine Bedrohung für die gesamte Landwirtschaft, insbesondere für kleine und mittlere Betriebe. "Die schleichende Übernahme zahlreicher Betriebe durch kapitalkräftige Investorengruppen ist das genaue Gegenteil einer zukunftsfähigen und vielfältig strukturierten bäuerlich-ökologischen Landwirtschaft", sagte er der Ostsee-Zeitung (Donnerstag). Die eigentlich vorgeschriebene Genehmigungspflicht beim Grunderwerb würden in den neuen Ländern vielfach gar nicht umgesetzt, monierte der Grünenpolitiker. Zugleich verlangt er eine Anpassung im Grundstücksverkehrsrecht, damit "auch Betriebs- und Teil-Betriebsverkäufe, sogenannte Share-Deals" erfasst werden.

Eine "Bringschuld" des Bundes in dieser Frage sieht der Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD). Er verwies darauf, dass nach dem Berliner Koalitionsvertrag eine Beschränkung "außerlandwirtschaftlicher Kapitalinvestoren" beim Landerwerb möglich sei . Auch im Nordosten gebe es Fälle, in denen Flächen und ganze Betriebe von kapitalkräftigen "außerlandwirtschaftlichen Akteuren" aufgekauft wurden. Backhaus fordert nun eine bundeseinheitliche Regelung. Landwirtschaftliche Flächen gehörten in die Hände von Landwirten. "Wer lediglich Kapital in landwirtschaftliche Grundstücke anlegt, handelt spekulativ", kritisierte Backhaus. Mitte des Monats will die Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Bodenmarktpolitik" der Agrarministerkonferenz ihren Abschlussbericht zu der Problematik vorlegen.

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