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3sat-Programmhinweis
"Der Fall Liebl"
Donnerstag, 8.Februar 2001, 23.00 Uhr

    Mainz (ots) -
    
    Dokumentarfilm, Deutschland 2001
    Regie: Michael Verhoeven
    45', Deutsche Erstaufführung
    
    1906 ist der kaiserliche Regierungsarzt Dr. Friedrich Karl Liebl
aus dem bayrischen Straubing in die deutsche "Musterkolonie" Togo
gegangen. 1908 heiratete er die Tochter eines Stammesfürsten. Ihr
Sohn Johann wuchs allerdings ohne seinen Vater auf, da Dr. Liebl
schon nach wenigen Jahren Afrika wieder verließ. Dessen Sohn Gerson
Liebl, also der Enkel des Kolonialarztes, kämpft nun bereits seit
zehn Jahren vergeblich um seine Anerkennung als deutschstämmiger
"Spätaussiedler".
    
    Regisseur Michael Verhoeven erinnert an die deutsche
Kolonialvergangenheit, indem er die Hintergründe des "Falls Liebl" im
Gespräch mit dem Betroffenen rekonstruiert. Liebl erzählt von seiner
Familiengeschichte und von den für einen Laien kaum überschaubaren
bürokratischen und juristischen Verfahren, die er mit Hilfe von
mittlerweile 15 Anwälten durchlaufen hat. Bisher ohne Erfolg. In
dieser Zeit hat Gerson Liebl viele gute Erfahrungen mit Deutschen,
aber weniger gute mit dem deutschen Staatsapparat gemacht. Höhepunkt
war der Versuch, ihn im Januar 1998 ohne gesicherte Rechtsgrundlage
durch die Polizei abschieben zu lassen. Sein derzeitiger Anwalt, Dr.
Konstantin Thun, Spezialist für Menschenrechtsfragen, erklärt im Film
den juristischen Sachverhalt und begründet, warum er den Fall als
"staatsangehörigkeitsrechtliches Unrecht" einstuft. Da Liebl, seine
Frau und ihr gemeinsames Kind wegen des abgelehnten
Einbürgerungsantrags nun von der Abschiebung bedroht sind, hat Dr.
Thun sich im Januar 2001 an die Petitionsausschüsse des Landtages von
Rheinland-Pfalz und des Deutschen Bundestages gewandt und sie
aufgefordert, dieses Unrecht wieder gut zu machen.
    
    Gerson Liebl beharrt trotz der Schwierigkeiten, auf die er
gestoßen ist, darauf, deutscher Staatsbürger zu werden, da er
"deutsches Blut in seinen Adern" fühlt.
    
    "Die deutschen Behörden beurteilen den Fall Liebl nach eindeutig
rassistischen Bestimmungen und wollen den 'schwarzen Mann'
abschieben. Die Begründung ist bemerkenswert. In den Heiratspapieren
des Großvaters fehlt ein  Stempel, der in der Kolonie Togo zwar
vorgeschrieben war, den es aber aus Prinzip nicht gab, weil die
deutsche Kolonialmacht Mischehen verhindern wollte. Es handelt sich
hier nicht um einen Albtraum von Kafka. Es handelt sich hier um ein
Realdrama der deutschen Gegenwart. Jetzt ist die Politik aufgerufen,
sich des Falls Liebl anzunehmen." (Michael Verhoeven)
    
    3sat strahlt den Dokumentarfilm von Michael Verhoeven ("Das
schreckliche Mädchen", "Mutters Courage") in deutscher Erstaufführung
aus. Den Kommentartext spricht Senta Berger.
    
    
ots Originaltext: 3sat
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