Greenpeace e.V.

Greenpeace bezieht Stellung im Zwischenlager Gorleben
40 Aktivisten besetzen Überwachungsturm des Atomlagers

    Gorleben (ots) - Aus Protest gegen die bevorstehenden
Atomtransporte aus Frankreich nach Deutschland sind heute 40
Greenpeace-Aktivisten in das Gelände des Zwischenlagers Gorleben
eingedrungen. Die Umweltschützer stiegen in den frühen Morgenstunden
mit Hilfe einer Spezialleiter über die Stacheldrahtzäune der Anlage
und kletterten anschließend auf den 30 Meter hohen Überwachungsturm
neben der Lagerhalle. Dort entrollten sie ein Transparent mit der
Forderung "Stop Castor".
    
    Ende des Monats sollen - erstmals seit dem Transportstopp von 1998
- 85 Tonnen Atommüll aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage
(WAA) La Hague in das umstrittene Zwischenlager gebracht werden.
Greenpeace will mit der Aktion darauf hinweisen, dass die
Zwischenlagerung von Atommüll das Entsorgungsproblem nicht löst.
    
    "Hochradioaktiver Atommüll wird quer durch das Land nach Gorleben
gefahren, um irgendwann wieder an einen anderen Ort gebracht zu
werden," sagt Veit Bürger, Energieexperte bei Greenpeace. "Das
Zwischenlager Gorleben dient nur als Verschiebebahnhof für Abfälle,
die Jahrhunderte lang strahlen und für die es weltweit kein sicheres
Endlager gibt. Solange Atomkraftwerke laufen, wird sich dieses
Dilemma Tag für Tag verschärfen."
    
    Ob Atommüll in Deutschland oder anderswo überhaupt jemals sicher
gelagert werden kann, ist mehr als fraglich. Der Sachverständigenrat
für Umweltfragen kam in seinem Umweltgutachten 2000 zu dem Schluss,
"dass kein für alle Zeiten sicheres Endlager für stark radioaktive
und Wärme entwickelnde Abfälle gefunden werden kann". Bürger: "Ohne
Transporte müssten einige Atomkraftwerke demnächst den Betrieb
einstellen. Atomtransporte erlauben es den Kraftwerksbetreibern, ihr
ungelöstes Entsorgungsproblem auf die lange Bank zu schieben. Nur so
können sie den Weiterbetrieb ihrer Atomanlagen sichern."
    
    Im Zwischenlager Gorleben dürfen sowohl abgebrannte Brennelemente
aus den deutschen Atomkraftwerken als auch hochradioaktiver Abfall
aus der WAA La Hague zwischengelagert werden. Die Halle des
Zwischenlagers hat auf einer Fläche von 5.200 m2 Platz für 420
Atombehälter mit hochradioaktiven Abfällen.
    
    Zur Zeit befinden sich insgesamt acht gefüllte Atom-Behälter mit
hochradioaktivem Atommüll in der Lagerhalle, die zwischen 1995 und
1997 nach Gorleben transportiert wurden: fünf mit abgebrannten
Brennelementen aus den Atomkraftwerken Philippsburg, Neckarwestheim
und Gundremmingen sowie drei aus La Hague. Gorleben ist das bisher
einzige Zwischenlager in Deutschland, das WAA-Abfälle annehmen darf.
    
    
ots Originaltext: Greenpeace
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