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Mittelbayerische Zeitung: Sie war schon immer da
Queen Elizabeth II. ist die dienstälteste britische Monarchin. Ihr Vorzug ist der tägliche Dienst am Volk. Leitartikel von Jochen Wittmann

Regensburg (ots) - Die Queen übertrifft den Rekord ihrer Vorgängerin Victoria und wird zur längsten amtierenden Herrscherin des britischen Königshauses. Elizabeth II. ist jetzt die Dienstälteste der über 50 Monarchen in der rund tausendjährigen Geschichte des britischen Könighauses. Nur König Bhumibol von Thailand sitzt zur Zeit länger auf dem Thron als sie. Aber wer kennt den schon? Die Queen dagegen kennt jeder, sie dürfte die berühmteste Frau des Planeten sein. Kein Wunder, wenn man schon so lange im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit steht wie sie. Elizabeth II., die 1952 den Thron bestieg, war schon immer da. Regierungschefs kommen und gehen - zwölf Premierminister, von Winston Churchill bis David Cameron hat Elizabeth erlebt -, aber die Queen bleibt. Und stellt man die Langlebigkeit der Windsors in Rechnung - Elizabeths Mutter wurde 101 Jahre alt - wird die Queen dem Königreich noch eine lange Zeit erhalten bleiben. Ihre schiere Ausdauer dürfte sich als der größte Vorzug der Windsors erweisen. Immerhin ist Monarchie ohne Kontinuität und Tradition nicht denkbar. Bis zum Tod der Queen Mum schätzten die Briten die rüstige Langlebigkeit der Königinmutter. Jetzt hat die Queen die Rolle der "eisernen Oma der Nation" übernommen und man verehrt sie, weil sie den Job schon so lange und immer in dem gleichen würdevollen Stil gemacht hat. Dazu kommt ihre Rolle als moralische Instanz. "Die Lehren Christi", bekannte sie, "und meine eigene persönliche Verantwortung vor Gott geben mir den Rahmen, in dem ich mein Leben zu führen versuche." Das mag nicht auf der Höhe der philosophischen Postmoderne sein, beeindruckt aber durch seine stoische Charakterstärke. Den Untertanen zeigt es eine klare moralische Perspektive. Niemand, so sagt man, der von der Queen in den Adelsstand erhoben wurde, wagt es fortan, bei der Steuererklärung zu schummeln. Ist sie die größte aller britischen Monarchen? Ihre Untertanen denken das. In einer Umfrage des Instituts YouGov führt sie deutlich vor Queen Elizabeth I. und Queen Victoria. Wird man also einmal von einer zweiten elisabethanischen Ära sprechen? Wohl kaum. Die Verdienste der Queen oder, genauer gesagt, das, was das Vereinte Königreich in ihrer Herrschaft erreichte, können nicht mithalten. Unter Elizabeth I. machte sich England auf den Weg zur Weltmacht, unter Victoria herrschte Großbritannien über ein Viertel des Weltballs und 450 Millionen Menschen. In die Amtszeit von Elizabeth II. dagegen fällt die Schrumpfung des britischen Empires. "Ich muss gesehen werden, um geglaubt zu werden", hat die Queen ihren Mitarbeitern eingeschärft. Der Satz könnte als inoffizielles Motto ihrer Regentschaft dienen. Ganz vordergründig bezieht er sich auf die Repräsentationspflichten der Monarchin. Aber Elizabeth hat diesen Satz auch ihren Beratern entgegengeschleudert, als die ihr nahelegen wollten, etwas kürzerzutreten. Die Queen weiß: Ihr Job ist es, das Volk zu treffen. Während ihrer 66-jährigen Herrschaft, so hat ihr Biograph Robert Hardman ausgerechnet, hat sie mehr als vier Millionen Menschen getroffen, und zwar persönlich, mit einem Händedruck, einem Lächeln und einem kurzen Wort. Es ist diese Kärrnerarbeit im Kontakt mit den Untertanen, die wohl das Fundament ihrer Beliebtheit ausmacht, und damit auch die Monarchie selbst rechtfertigt, weil sie sich unablässig mit der Basis gemein macht. "Keine Institution, auch nicht die Monarchie", hatte die Queen selbst in einer Ansprache 1992 unterstrichen, "kann erwarten, von der Prüfung durch jene befreit zu sein, die ihr Loyalität und Unterstützung geben." Sie muss sich jeden Tag beweisen im Dienst am Volk.

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