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neues deutschland: Krieg in Gaza und der Prophet Mose

Berlin (ots) - Als der Herr auf dem Berg Sinai zu Mose sprach, hatte er dem Anführer der Israeliten eine Menge zu sagen. Das waren nicht nur jene als Zehn Gebote bekannt gewordenen Weisungen, sondern unter anderem auch der archaische Abgeltungskatalog »Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand ...«. Oft als Register radikaler Rachegelüste missinterpretiert, sollte dieses Diktum im Gegenteil Damm sein gegen die Maßlosigkeit barbarischer Blutrache. Die Zahl der von der israelischen Armee im Gaza-Streifen getöteten Palästinenser hat am Wochenende die 1000 überschritten, mehr als sechs Mal so viele Menschen wurden in dem von Bomben verheerten Küstengebiet verletzt. Auf israelischer Seite kamen bislang 43 Soldaten und drei Zivilisten ums Leben. Leben für Leben? Auge für Auge? Die Verhältnismäßigkeit der Exekution von Gewalt, die im 2. Buch Mose - Teil der jüdischen Thora - eingefordert wird, ist seit Hunderten, ja, Tausenden Jahren in Kriegen jedweder Art immer wieder ad absurdum geführt worden. Wer die Mittel besitzt, dem militärischen Gegner nicht nur begrenzende und damit begrenzte Schläge zuzufügen, sondern ihn und sein ziviles Umfeld möglichst vernichtend zu treffen, setzt diese Mittel in der Regel auch ein. Der neue Gaza-Krieg bestätigt das nur. Und ein Volk, eine Nation, ein Staat, die sich in Geschichte und Gegenwart ausdrücklich auf das Vermächtnis Moses berufen, zeigen damit, was für sie der berühmteste Prophet der biblischen Überlieferung ist: ein einsamer Rufer in der Wüste.

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