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Neue OZ: Kommentar zu Afghanistan
Konflikte

Osnabrück (ots) - Dem Sieg nicht fern

Afghanistans Präsident Karsai, der als Bürgermeister von Kabul verspottet und neuerdings schon als "Geschichte" bezeichnet wird, hat zur großen Friedensversammlung geladen. 1600 Stammesälteste sind aus allen Provinzen nach Kabul gekommen - nur die, um die es geht, bleiben fern: die Taliban. Statt versöhnlicher Worte schicken die Radikalislamisten zwei, drei Raketen und ein Trio von Selbstmordattentätern. Für afghanische Verhältnisse ist das nicht dramatisch, aber es stellt sich die Frage: Wie viele Jahre wollen Karsai und der Westen noch der Illusion nachrennen, die Taliban wollten sich von ihren Erzfeinden einen Frieden diktieren lassen?

Zudem: Warum sollte jemand seinem Widersacher zu Füßen kriechen, wenn er sich auf der Siegesstraße wähnt? Den Taliban muss zugestanden werden, dass sie einer Niederlage nicht so nah stehen wie NATO und UNO. Das mächtigste Militärbündnis der Welt ist auch mit seiner diesjährigen Großoffensive bislang kaum einen Schritt weitergekommen. Die zu wenigen Bundeswehrsoldaten im Norden können sich in Kundus nur noch halten, weil US-Kampftruppen sie schützen. Zugleich wächst in den NATO-Ländern wie Deutschland der Widerstand gegen den Einsatz, der von der Regierung in Berlin dilettantisch geführt wird. Die Taliban dürften daher eher früher als später triumphieren.

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