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Neue OZ: Kommentar zum Rücktritt von Roland Koch

Osnabrück (ots) - Souveräner Abgang

Ob man den immer wieder krawalligen Roland Koch nun mag oder nicht: Sein Rückzug aus der Politik verdient Respekt. Ohne Not macht er Platz für einen Nachfolger. Das ist souverän und hat Seltenheitswert in der Politik, in der es von Machtverliebten nur so wimmelt.

Allerdings sollte man den Schritt auch nicht überbewerten. Denn deutlich erkennbar hatte Koch den Zenit seiner politischen Laufbahn überschritten. Die hessische CDU ist weit entfernt von alter Stärke. Und weder in Berlin noch in Brüssel winkten Koch zuletzt noch Aufstiegschancen. Der (wahrscheinlich lukrative) Wechsel in die Wirtschaft erscheint da als schöne Alternative.

Während Sozialdemokraten und Linke frohlocken dürfen, weil sie einen profilierten Gegenspieler verlieren, hat CDU-Chefin Angela Merkel zwei Probleme mehr. Denn mit Koch verlässt ein weiterer CDU-Wirtschaftsexperte von Format die politische Bühne. Nach dem Abgang von Friedrich Merz bedeutet das einen erneuten schmerzhaften Aderlass für die Union. Wichtiger aber noch: Mit Koch verlieren die Christdemokraten einen kantigen Konservativen, eine wichtige Integrationsfigur des rechten Parteiflügels. Es wird schwer sein, einen vergleichbaren Bannerträger zu finden.

Kein Verlust für das politische Leben ist dagegen Kochs polarisierende und populistische Art, in der er auch mit ausländerfeindlichen Ressentiments spielte. Wahlkampagnen dieser zynischen Art gehören hoffentlich ein für alle Mal der Vergangenheit an.

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