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Neue OZ: Kommentar zu Sprache

Osnabrück (ots) - Nur eins bleibt gleich: die Sprachkritik

Mit jedem Tag und mit jedem Sprecher ändert sich das Deutsch um ein kleines, unmerkliches Bisschen. Das gründlich zu beobachten ist aufschlussreich: Wie wir etwas sagen, verrät schließlich oft mehr über uns, als was wir sagen. Lehnworte etwa geben Auskunft über kulturelle Einflüsse, aussterbende Begriffe erzählen ex negativo von den Umwälzungen im alltäglichen Leben, und schönfärberische Floskeln sind die verräterische Hohlform der jeweils gültigen Tabus.

Veränderung ist das Kennzeichen jeder lebendigen Sprache. Die Debatte um gutes und schlechtes Deutsch kennt nur eine einzige fixe Größe: mahnende Kritik am Niedergang. Da ist es höchst erfreulich, dass nun ein regelmäßiger Sprachbericht der pessimistischen Wertung eine nüchterne Beschreibung entgegensetzen soll. Das wird die Liebhaber von Anglizismen nicht mit den Verächtern der SMS-Sprache versöhnen; aber zumindest wissen dann alle, worüber sie überhaupt streiten.

Ein Ergebnis ist bei alledem kaum zu erwarten: der Beweis des Sprachverfalls. Denn ob sich das Deutsche nun mit lateinischen, amerikanischen oder sonstigen Blüten schmückt - solange es verwendet wird, bedient es auch alle schönen und hässlichen Zwecke des Sprechens: Lüge und Bekenntnis, Selbstdarstellerei und Verständigung, soziale Abgrenzung und süßes Liebesgeflüster.

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