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Neue OZ: Kommentar zu UN
Nahost
Konflikte

    Osnabrück (ots) - Autorität verspielt

    Da darf sich niemand wundern, dass die UNO so wenig Gewicht hat. Der fragwürdige Umgang der Vollversammlung mit dem Bericht Richard Goldstones über den israelisch-palästinensischen Krieg im Gazastreifen zeigt beispielhaft, wie die Weltorganisation Autorität verspielt. Das beginnt beim krassen Mangel an Maßstäben. So wäre all die Kritik an Israel wesentlich glaubwürdiger, hätte die UNO auf die Kriege etwa in Tschetschenien, im Irak oder im Libanon ähnlich reagiert.

    Dem Ansehen der UNO abträglich ist auch der Goldstone-Bericht an sich. In seinen soliden Teilen beschreibt er zwar anschaulich, wie Krieg stets den Keim zum Kriegsverbrechen in sich trägt. Aber gänzlich einseitig in seinen Schlussfolgerungen listet er ein mehr als 20-seitiges Sündenregister Israels auf und lässt es zugleich mit einer Seite zur Kriegstreiberin Hamas bewenden.

    Das Schlimme daran ist: Gerade im Nahen Osten würde die UNO als allseits respektierte Schlichterin dringendst gebraucht. Doch sie entfernt sich weit von dieser Rolle. Schließlich bewirkt sie nichts für die Palästinenser, weil der Goldstone-Bericht folgenlos bleibt, selbst wenn sich der Sicherheitsrat damit beschäftigen sollte. In Israel wiederum stärkt sie allenfalls das Selbstbild vom ewigen Opfer in feindseliger Umwelt. Ein Bild, das zu dem Trugschluss verleitet, in der Selbstverteidigung sei jedes Mittel recht.

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