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Neue OZ: Kommentar zu DDR-Unrecht/Sellering

    Osnabrück (ots) - Zynischer Kuschelkurs

    Wenn es nach Mecklenburg-Vorpommerns neuem Ministerpräsidenten Sellering geht, muss das Bild der DDR umgemalt werden. Rosig und freundlich statt blutrot und düster sieht der SPD-Politiker den vor knapp zwei Jahrzehnten zusammengebrochenen zweiten deutschen Staat. Massive politische Pressionen, Bespitzelungen, Willkürjustiz, Mauer, Stacheldraht - aus dieser Sicht alles offenbar nicht so schlimm und zumindest teilweise aufgewogen durch soziale Errungenschaften.

    Sellering sollte es besser wissen. Als echtes Westgewächs verfügt der Nordrhein-Westfale, der (erst) 1994 als Richter nach Vorpommern wechselte und dort bald auch politisch Karriere machte, zwar nur über späte Einblicke in den Alltag in der alten DDR. Aber auch die sollten ihn davor bewahren, das Unrecht zu relativieren.

    Unwissenheit kann also nicht hinter seinen Äußerungen stehen, Naivität wohl auch nicht. Als Erklärung bleibt nur nüchternes Kalkül. Offenbar bedient hier ein Politiker ganz ungeniert ostalgische Gefühle; Sehnsüchte zurück nach einem Staat, zu dem zwar "immer auch ein Schuss Willkür und Abhängigkeit" - von anderen Schüssen schweigt Sellering - gehörte, wo es aber doch ganz kuschelig war. Eine zynische Sichtweise. Und der durchsichtige Versuch eines Wessis, sich auch bei Ewiggestrigen in der neuen Heimat einzuschmeicheln.

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