Deutscher Philologenverband

DPhV: Sechsjährige Grundschule in Hamburg wird zur Flucht bildungsinteressierter Eltern und Schüler nach Niedersachsen führen!

Berlin (ots) - Philologenverband warnt in Hamburg vor Koalitionskompromissen auf Kosten der Bildungsqualität und der Zukunftschancen der Schüler.

"Mit einer sechsjährigen Grundschule würde die Union nicht nur ihr Versprechen brechen, in Hamburg leistungsfähige Gymnasien zu erhalten, sondern gleichzeitig auch eine massive zukünftige Fluchtbewegung von Eltern und Schüler an die grundständigen Gymnasien im niedersächsischen Umland provozieren!", sagte der DPhV-Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger in Berlin mit Blick auf Meldungen, die Union habe den Grünen eine Verlängerung der Grundschulzeit bereits zugesagt. Dies sei umso unverständlicher, als jeder wisse, dass dies für die Partei der Grünen nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Einheitsschule sei.

Wer versuche, den Eltern leistungsfähiger Schülerinnen und Schüler die Chance und Wahlmöglichkeit zu nehmen, nach der vierten Klasse eine begabungsgerechte Förderung an Gymnasien zu erhalten, trage eine Mitschuld daran, dass Hamburg im bundesweiten Leistungsvergleich zukünftig noch weiter zurückfallen werde, sagte der Verbandsvorsitzende in Berlin.

Meidinger erinnerte an die Hamburger LAU-Untersuchungen unter Leitung von Prof. Dr. Lehmann, wonach sich die fachbezogenen Leistungen der Schüler in Hamburg am Ende der 6. Klasse erheblich unterscheiden. Gymnasiasten erreichen darin mit einem Gesamtwert von 70,4 weit höhere Leistungen als die Gesamtschüler mit einem Wert von 44,4. Durch eine Ausweitung der Grundschule drohe eine institutionalisierte Unterforderung leistungsstärkerer Schüler in Hamburg, wie es sie in Berlin und Brandenburg bereits gebe, so der DPhV-Vorsitzende. In diesem Zusammenhang verwies Meidinger auf bereits vorliegende Bildungsuntersuchungen.

Bereits vor Jahren hätten Analysen wie die von Prof. Roeder ergeben: "Die Leistungen nach sechsjähriger Grundschulzeit liegen erheblich unter denen von Schülern, die den Wechsel aufs Gymnasium bereits nach der 4. Grundschulklasse vollzogen haben." Für Mathematik und Englisch betrug die Leistungsdifferenz ein Schuljahr.

Aber auch die Hoffnung, die Prognosesicherheit bei der Wahl der weiterführenden Schulart sei nach sechsjähriger Grundschulzeit höher als nach einer vierjährigen Grundschule, ist unbegründet. Prof. Kurt Heller: "Bislang existieren keine Studien, die höhere Trefferquoten nach einer fünf- oder sechsjährigen Grundschulzeit nachweisen konnten."

Verschiedene Untersuchungen zu Orientierungsstufen hätten überdies ergeben, dass bei längerer gemeinsamer Beschulung die Quote der Schüler deutlich gesunken sei, denen danach die Gymnasialeignung zugesprochen werden konnte. Aber auch die Chancen, aufzuholen, waren demzufolge für leistungsschwächere Schüler in undifferenzierten Lerngruppen zunehmend geringer.

Meidinger warnte die Union davor, durch solche Zugeständnisse nicht nur die Bildungsqualität in Hamburg zu verschlechtern, sondern auch die eigene Wählerklientel nachhaltig zu verärgern: "Wer wider besseren Wissens diesen Schritt in Richtung der von den Grünen gewollten Einheitsschule mitgeht, legt die Grundlagen für eine explosive Stimmung an Hamburgs Schulen für die gesamte nächste Legislaturperiode."

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