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WAZ: Bei Anruf Präsident - Kommentar von Frank Preuß zu Erdogan

Essen (ots) - Bei Anruf Präsident, möchte man ja gerne spotten. Aber dass sich Recep Tayyip Erdogan nun auch noch in die Handygespräche seiner türkischen Landsleute einmischt, sozusagen als staatstragendes Vorprogramm, das ist so lustig nicht. Es untermauert auf dreiste Weise den Machtanspruch eines Mannes, der sich keine Grenzen mehr setzen mag: Der Staat bin ich.

Erdogans Auftritte bei Gedenkfeiern zum Jahrestag des Putschversuchs haben an diesem Wochenende noch einmal demonstriert, wohin sich die Türkei besonders in diesen letzten zwölf Monaten entwickelt hat: zu einem Land, das sich von demokratischen Prinzipien verabschiedet, weil sich sein gewählter Spitzenvertreter durch das Volk ermächtigt glaubt, diese abzuschaffen. Mit Massenverhaftungen und seinen skandalösen Beschimpfungen europäischer Nato-Partner hat Erdogan das Land ins Abseits manövriert.

Die mögliche Einführung der Todesstrafe, von Erdogan abermals heraufbeschworen, hat die EU als den Dammbruch bezeichnet, der das zerrüttete Verhältnis zerstören würde. Seine wichtige Rolle in der Flüchtlingsfrage darf Europa dem türkischen Machthaber nicht ewig als Faustpfand durchgehen lassen.

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