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WAZ: Hohes Risiko, wenig Klarheit - Kommentar von Andreas Tyrock

Essen (ots) - Es geht um Leben und Tod. Es geht um Hass und Gewalt in einem Maß, wie es die freie Welt rational nicht erklären kann. Dass die fanatisierten Mörder des "Islamischen Staates" gestoppt werden müssen, ist unbestritten. Wie dies geschehen soll, bleibt unklar. Insofern finden die westlichen Regierungen keine einheitliche Antwort auf die Frage, ob und in welchem Umfang die Kurden im Nordirak militärisch unterstützt werden sollen.

Deutschland tut sich traditionell (und zu Recht) schwer mit militärischen Einsätzen, ebenso wie mit Waffenlieferungen. Einiges spricht dafür, dass die gestern von der Bundesregierung angekündigten Waffenlieferungen an die nordirakischen Kurden ein Fehler sind. Denn damit leistet Deutschland einen Beitrag zur Aufrüstung der Kurden und nimmt zu große Risiken in Kauf.

Niemand kann gewährleisten, dass die Waffen nur gegen IS-Kämpfer eingesetzt werden, niemand kann verhindern, dass die Waffen in falsche Hände gelangen. Und: Welche Konsequenzen hat ein Erstarken der Kurden - mit Blick auf einen möglichen Kurdenstaat, mit Blick auf den Zusammenhalt des Irak, mit Blick auf die Bedrohung der Türkei? Zudem gibt es aus der Vergangenheit genug Beispiele für brüchige Freund-Feind-Schemata. Wer heute noch vom Westen unterstützt wird, kann schon morgen zur Bedrohung werden.

Afghanistan, Syrien oder der Irak sind Beleg dafür, dass sich politische Lagen zu schnell ändern, um die Konsequenzen von Waffenlieferungen einschätzen zu können.

Der "Islamische Staat" lebt vom religiösen Fanatismus. Doch dieser allein macht die Kämpfer nicht satt und liefert ihnen keine Waffen. Deshalb muss der Westen dort ansetzen, wo Geld und Material für den IS herkommen. Katar gilt als wichtiger Geldgeber, ebenso wie die mächtigen sunnitischen Stämme, die ihre eigenen Interessen in den arabischen Staaten haben.

Richtig ist, dass es beim Kampf gegen Fanatiker die eine Lösung nicht gibt. Richtig ist aber auch, dass Waffenlieferungen in Kriegsgebiete stets mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen.

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